Gori - von RAU

11. August 2008, 21:19
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Russische Flugzeuge bombardieren den Geburtsort Stalins

Russische Truppen sind in die georgische Stadt Gori vorgerückt, sagen die Georgier. Eine makabre Symbolik. Gori ist der Geburtsort von Josip Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt als Stalin. Dort steht vor dem Rathaus noch immer eine 17 Meter hohe Statue des großen Sohnes, es gibt ein Stalin-Museum, und seine Geburtshütte wurde mit einer Kuppel aus Marmor versehen.

Dort, im ethnischen Pulverfass des Kaukasus, wurde Stalin geprägt (siehe auch die großartige Biografie von Simon Sebag Montefiore, "Der junge Stalin" ). Der verdiente Mörder des Volkes genießt in Georgien immer noch populären Kultstatus, und auch in den russischen Schulbüchern wird er wieder "objektiver" dargestellt. Er war eben - unter anderem auch - ein großrussischer Imperialist, ein Mehrer des Reiches, ein starker Führer. Putin hat den Zusammenbruch der maßgeblich von Stalin geschaffenen Sowjetunion als "größte Katastrophe der Geschichte" bezeichnet - und er arbeitet nach Kräften an der Wiederherstellung zumindest der alten Einflusssphären. Dass die Russen jetzt Gori angreifen, kann nur als Sarkasmus der Geschichte betrachtet werden. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2008)

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