Red-Bull-Projekt in Spielberg: Morddrohungen geklärt

11. August 2008, 18:44
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Verfasser von Drohbriefen an kritische Anrainer wurde jetzt ausgeforscht

Spielberg/Graz - "Wir sind natürlich sehr erleichtert", sagt Karl Arbesser. Der ebenso engagierte wie umstrittene Sprecher der Bürgerinitiative rund um das Red-Bull-Motorsportprojekt im steirischen Spielberg war mit seiner Familie und anderen Anrainern seit 2004 Ziel von Morddrohungen und anonymen Anzeigen.

Nachdem er sich selbst als Hobbydetektiv betätigt und Beobachtungen der Polizei und Staatsanwaltschaft übermittelt hatte, konnten die Sicherheitsbehörden nun einen 51 Jahre alten Obersteirer, einen Anrainer und Befürworter des Red-Bull-Projektes, als Täter ausforschen. Dieser gab bereits die Morddrohungen zu und bedauerte sie als "große Dummheit". Er habe mit seinen Drohungen die Gegner dazu bringen wollen, dem Red-Bull-Projekt zuzustimmen, gab der Mann bei den Einvernahmen zu.

Für Arbesser ist die Sache aber noch nicht gegessen. Karl Arbesser am Montag im Gespräch mit dem STANDARD: "Ich gehe davon aus, dass er nicht allein gehandelt hat, da muss es noch Hintermänner geben. Er wusste zum Beispiel über Dinge Bescheid, über Interna und von Absprachen, die er eigentlich gar nicht wissen konnte." Es gebe etwa im Umkreis des Beschuldigten "Personen, die sehr viel Geld lukriert hätten", wenn das erste, vom Umweltsenat abgelehnte, 700-Millionen-Euro-Projekt von Red- Bull-Chef Dietrich Mateschitz realisiert worden wäre.

100 bedrohliche Briefe

Arbesser: "Er hat hunderte Briefe geschrieben, und die wurden immer bedrohlicher. Unsere Brunnen würden vergiftet werden, und er ziele vom nahen Wald mit einem Gewehr auf uns. Er nahm auch unsere Kinder ins Visier. Wir wagten sie nicht mehr mit dem Bus in die Schule bringen zu lassen."
Das Spielberg-Projekt zählt zu den umstrittensten Bauvorhaben der Steiermark. Nachdem die Formel-I-Rennen am A1-Ring eingestellt worden waren, übernahm Dietrich Mateschitz das Gelände. Er schwärmte von jenem hunderte Millionen teuren Projekt samt Akademie, Hotel und Rennstrecke, bis dieses Vorhaben von den Anrainern und vom Umweltsenat durchkreuzt wurde. Mateschitz ließ sich schließlich von den Landespolitikern zu einer abgespeckten Version überreden. Mit viel Landeshilfe soll nun eine Motorsport-Arena um 30 bis 50 Millionen Euro entstehen. Die Anrainer stimmten dem nach langen Verhandlungen über Lärm- und Emissionsreduktionen sowie Ablösen zu.
(Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 12.8.2008)

 

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