Omnipräsenz der vermissten "Maddie"

11. August 2008, 17:50
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In Brüssel will ein Sicherheitsmann Madeleine McCann vor einer Bank gesehen haben - Von den hunderten Sichtungen werden bisher von den Ermittlern nur wenige ernst genommen

Fünfzehn Monate ist es her, dass die damals dreijährige Madeleine McCann aus der Ferienwohnung 5A in der Anlage Praia da Luz an der portugiesischen Algarve verschwunden ist. Und seit damals wird das kleine Mädchen, deren Geschichte weltweit durch die Medien ging, immer wieder "gesichtet". Am vergangenen Montag will ein Sicherheitsmann das Mädchen vor der Molenbeeker Filiale der KBC Bank in Brüssel erkannt haben. Die Polizeibehörde von Brüssel-West prüft zurzeit die Bilder von fünf Überwachungskameras, die ein blondes Kind an der Hand einer kopftuchtragenden Frau zeigen.

Glaubt man allen Hinweisen, so hat "Maddie" die halbe Welt bereist. Ein Segler will sie kurz nach ihrem Verschwinden auf der Insel Margarita in der Karibik gesehen haben, andere Zeugen wollen sie auf dem New Yorker Flughafen erkannt haben.

Laut der belgischen Polizei seien allein in Belgien und in den Niederlanden rund einhundert Meldungen eingelangt, von denen dreißig als relevant eingeschätzt werden. Auch in Frankreich soll die Tochter von Kate und Gerry McCann gesehen worden sein.

Gefühlskontrolle

Nach Maddies angeblichem Auftauchen in Brüssel versuchen die McCanns nach Angaben ihres Sprechers Clarence Mitchell "ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten". Privatdetektive untersuchen seit einiger Zeit die Theorie, Madeleine könnte von einem Pädophilennetzwerk entführt worden sein, das in Belgien aktiv sein soll.

Die bisher glaubwürdigste Zeugin meldete sich vor einem Jahr in Amsterdam. Anna Stam, eine einundvierzigjährige Verkäuferin in einem Amsterdamer Kostümgeschäft, wurde im Mai vergangenen Jahres in ihrem Laden von einem Mädchen angesprochen, das sie nach ihrer Mami fragte. Als Stam auf die das Mädchen begleitende Frau wies, soll das Kind in akzentlosem Englisch gesagt haben: "Das ist eine Fremde, das ist nicht meine Mami." Stam fragte das Mädchen daraufhin nach seinem Namen. "Ich habe Maggie verstanden, aber sie korrigierte mich: Ich heiße Maddie."
Stam wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von einem Entführungsfall. Erst als die Medien über Maddies Verschwinden berichteten, erstattete Stam Anzeige bei der Amsterdamer Polizei. Die Londoner Polizei hat Phantombilder des Paares angefertigt, die mit dem Mädchen in Stams Laden waren. Es handelt sich um einen dunkelhaarigen Mann und eine blonde Frau. "Den Mann fand ich ziemlich unsympathisch", sagt Stam. Der Mann sei um die vierzig Jahre alt gewesen und habe portugiesisch gesprochen. (Barbara Hoheneder aus Amsterdam/DER STANDARD-Printausgabe, 12.8.2008)

 

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