Reaktionen: "Unvergesslicher Freund"

11. August 2008, 18:11
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Fischer: Aufrechter Patriot - Prammer: Reformen als Unterrichtsminister prägen bis heute

Wien - "Zutiefst erschüttert" zeigt sich Bundespräsident Heinz Fischer über das Ableben von Fred Sinowatz. Mit ihm verliere Österreich nicht nur einen aufrechten Patrioten und engagierten Staatsmann, sondern auch einen warmherzigen und liebenswürdigen Menschen. In allen seinen politischen Funktionen habe sich Sinowatz mit ganzer Kraft bemüht, seinen Mitmenschen zu dienen und zur Verbesserung ihrer Lebensumstände beizutragen, meinte Fischer über den Altkanzler, mit dem er über 45 Jahre freundschaftlich verbunden war.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer erklärte, mit Sinowatz habe Österreich einen Mann verloren, der in seiner langen politischen Laufbahn mehr für sein Heimatland und für Österreich getan habe, als ihm eine oft kurzatmige journalistische Geschichtsschreibung zugestehe. Die von ihm als Unterrichtsminister initiierten Reformen prägen die österreichische Bildungslandschaft bis heute. Sinowatz sei wegen seines Ausspruchs, dass "alles sehr kompliziert" sei, vielfach kritisiert worden. Für jeden denkenden Menschen sei dieser Ausspruch aber Ausdruck einer tiefen Weisheit, die den Menschen und Politiker Sinowatz geprägt habe.

SP-Granden erschüttert

Mit Erschütterung haben die Granden der SPÖ auf den Tod des früheren Parteivorsitzenden und Altkanzlers Fred Sinowatz reagiert. Parteichef Werner Faymann sprach von einem "großen Politiker und wahren Menschenfreund", der Unschätzbares für die Menschen in Österreich und die Sozialdemokratie geleistet habe. Gleichzeitig erinnerte er an einen Wunsch Sinowatz', was dereinst über ihn in Geschichtsbüchern stehen sollte: "Wenn ein Satz gesagt würde, dann vielleicht der, dass Fred Sinowatz einer jener Politiker gewesen ist, für den Politik nicht nur ein vordergründiges Geschäft war, sondern wirklich ein Lebensinhalt, und der auf allen Gebieten der Politik versucht hat, die Verbindung der Politik zum Menschsein zu bewahren."

Bildungsministerin Claudia Schmied meinte: "Ein großer Politiker ist heute von uns gegangen." Seine Zeit als Bildungsminister sei von seiner unermüdlichen Arbeit für die Menschen und die Zukunft des Landes geprägt gewesen. Auch als Kunstminister habe Sinowatz unbezahlbare Arbeit für die Öffnung des Landes geleistet.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl sagte: "Wir haben einen aufrechten Weggefährten und wahren Freund verloren." ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer erklärte, Sinowatz habe der österreichischen Bildungspolitik seinen Stempel aufgedrückt und dabei viele Bildungsbarrieren abgebaut.

"Unvergesslicher Freund"

Franz Vranitzky, der Sinowatz als Kanzler gefolgt war, meinte, sein Vorgänger sei allen Herausforderungen, "die mit Wucht seine eigene Person betrafen", mit Gelassenheit und Überblick begegnet und erinnerte dabei an Kraftwerk Hainburg und Einbruch der österreichischen Industrielandschaft: "Ich genoss das in meiner Lebensgeschichte einmalige Privileg, Amtsnachfolger der großartigen Persönlichkeit Fred Sinowatz zu werden. Ich habe heute nicht nur den Vorgänger als weisen Gesprächspartner, sondern auch den unvergesslichen Freund verloren."

"Die Sozialdemokratie des Burgenlandes trauert um einen der erfolgreichsten und profiliertesten Landes- und Bundespolitiker", erklärte Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (S) am Montagnachmittag zum Ableben des früheren Bundeskanzlers und SPÖ-Vorsitzenden Fred Sinowatz. Sinowatz habe sich "als Landesrat im Burgenland, als Unterrichtsminister und Bundeskanzler größte Verdienste um die Republik Österreich und sein Heimatland Burgenland erworben", so Niessl.

Besonders hervorzuheben seien die Verdienste von Sinowatz um das Kulturland Burgenland und um den Abbau von Bildungsbarrieren durch die Einführung der Gratisschulfahrten und der Gratisschulbücher, erklärte Niessl. Sinowatz habe als Bundeskanzler Weichenstellungen "für ein modernes, soziales und wirtschaftlich starkes Österreich vorgenommen." Seine Anteilnahme gehöre der Familie von Altbundeskanzler Sinowatz, der er in diesen schweren Stunden der Trauer viel Kraft wünsche, so Niessl.

Pensionistenchef Karl Blecha, lange Weggefährte von Sinowatz, nannte ihn "einen der intellektuell redlichsten und aufmerksamsten Menschen, die mir in der Politik je begegnet sind". Er verliere einen seiner engsten Freunde. Als Vater der freien Schulfahrt und der freien Schulbücher hat Fred sich schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, unterstrich Blecha.

Vizekanzler Wilhelm Molterer hat den Leistungen von Altkanzler Fred Sinowatz höchsten Respekt gezollt. Dieser habe die österreichische Bildungslandschaft maßgeblich geprägt. Dafür gebühre ihm großer Dank, sagte der ÖVP-Chef in einer Aussendung. Österreich verliere einen sehr engagierten Politiker und fundierten Historiker.

Van der Bellen erinnert an Weihnachtsfrieden

Mit Betroffenheit reagierte der Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen. "Sinowatz hatte eine schwierige Kanzlerschaft in Zeiten des Übergangs und für die Grünen war er der Hainburg-Kanzler." Während aber namhafte Kräfte in SPÖ und Gewerkschaft den Kraftwerksbau auch gegen den friedlichen Widerstand erzwingen wollten, habe Sinowatz mit seinem "Weihnachtsfrieden" 1984 einen ersten Schritt in Richtung des heutigen Nationalparks gemacht." (APA)

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