"Wir Kinder vom Bahnhof Zoo": Christiane F. wieder süchtig

11. August 2008, 17:47
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Der Berlinerin wurde nach ihrem Rückfall nun das Sorgerecht für ihren Sohn entzogen

Potsdam/Berlin - Rund 30 Jahre nach Veröffentlichung des Bestsellers "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" hat das Jugendamt der Berlinerin Christiane F. das Sorgerecht für ihren Sohn entzogen.

"Sie kann der Erziehung und der Aufsichtspflicht des Kindes nicht mehr nachkommen", sagte eine Sprecherin des Jugendamtes Potsdam-Mittelmark am Montag. Die 46-Jährige könne sich wegen psychischer sowie drogenbedingter Probleme nicht mehr um ihren zwölfjährigen Buben kümmern, hieß es. Das Amt prüft nun, ob die Großmutter das Sorgerecht des Kindes übernehmen kann. Christiane F. solle ihren Sohn dann regelmäßig besuchen dürfen. Derzeit lebe der Junge in einer Wohngruppe.

Erziehungshelfer des Jugendamtes seien bereits seit 1995, als Christiane F. von Berlin in den Landkreis Potsdam-Mittelmark gezogen war, in engem Kontakt mit der Familie. Das Schicksal der aus der Berliner Satellitensiedlung Gropiusstadt stammenden Christiane F. als drogensüchtige Jugendliche war von den Autoren Horst Rieck und Kai Hermann beschrieben worden. Die Reportage wurde 1978 als Stern-Buch zu einem Bestseller der abschreckenden Schullektüre. 1980/81 kam der von Bernd Eichinger und Hans Weth produzierte Film von Ulrich Edel mit Natja Brunkhorst in der Titelrolle heraus. Nun soll sich die mittlerweile 46-jährige wieder in der Berliner Drogenszene bewegen. Statt beim Bahnhof Zoo aber um das Kottbusser Tor.

"Sehr angespannt"

Buchautor Rieck sagte in Spiegel online, er habe zuletzt vor etwa 14 Tagen Kontakt mit Christiane F. gehabt. Dabei habe sie "sehr angespannt" gewirkt. Rieck gibt Christiane F. aber "grundsätzlich eine Chance", das sei "eine Frage von Willen und Entscheidung". Dazu gehöre viel Disziplin. "Man weiß ja, dass bei vielen Suchtkranken ein Kind dem Leben eine Struktur gibt. Soweit ich das in den vergangenen Jahren verfolgen konnte, ist sie verlässlich und liebevoll mit ihrem Sohn umgegangen." (dpa/DER STANDARD-Printausgabe, 12.8.2008)

 

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