Keine Standortrettung

12. August 2008, 13:46
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Laut UVS-Bescheid ist auch eine Drosselung der Produktion zur Erreichung der Emissionswerte, wie sie vor dem Brand zulässig waren, nicht rechtens - SPÖ und ÖVP weisen sich gegenseitig die Schuld zu

St. Pölten - Für politischen Zwist in Niederösterreich sorgt ein Bescheid des Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) des Landes zur Causa Glanzstoff. Der UVS-NÖ habe festgehalten, dass  auch eine Drosselung der Produktion bei der St. Pöltner Firma zur Erreichung der Emissionswerte, wie sie vor dem Brand am 10. Jänner zulässig waren, nicht rechtens sei. Die SP-NÖ ortete darin den "endgültigen Todesstoß" für den Betrieb und sah die "Totengräber" für das Unternehmen bei der VP-NÖ. Die Volkspartei warf den Sozialdemokraten "Verrat an den Arbeitern der Glanzstoff" vor.

Glanzstoff-Geschäftsführer Dieter Kirchknopf sagte unterdessen am Dienstagvormittag, er habe den Bescheid "noch nicht zugestellt" bekommen. Wenn dies der Fall sei, werde er in weiterer Folge von Juristen geprüft. Erst dann könne über die weitere Vorgangsweise beraten werden, so Kirchknopf.

"Alle Bemühungen zunichte gemacht"

Der Magistrat der NÖ Landeshauptstadt hatte am Montag berichtet, der UVS NÖ hätte mit dem Bescheid "alle Bemühungen zunichte gemacht, den Standort der Glanzstoff zu retten". Nach genauer Analyse des Bescheides würden Gespräche mit der Firmenleitung von Glanzstoff
stattfinden müssen, wie es nun weitergehe.

Der Viskosegarnhersteller Glanzstoff hat Mitte Juli 327 Beschäftigte beim AMS zur Kündigung angemeldet. Vom damals angekündigten Auslaufen der Produktion in der Landeshauptstadt mit
Ende 2008 sind laut der Geschäftsführung etwa 290 Mitarbeiter betroffen. St. Pölten werde Holding-Sitz der Glanzstoff-Gruppe bleiben, was den Erhalt von 10 bis 15 Arbeitsplätzen bedeute.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Der St. Pöltner SPÖ-Nationalratsabgeordnete Anton Heinzl meinte dazu, Glanzstoff werde "auf Weisung des Landes Niederösterreich und damit unter Duldung von LH Erwin Pröll und
Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann zugesperrt. Pröll und Gabmann wollten einen anderen (Bürgermeister Matthias Stadler, Anm.) für ihr Versagen verantwortlich machen, und sind kläglich in ihrer Strategie gescheitert."

"Typisch Partei-Bonze", reagierte VPNÖ-Landesgeschäftsführer Gerhard Karner auf die Aussagen von Heinzl. Der SP-Nationalratsabgeordnete decke "lieber seinen unfähigen Parteikollegen und St. Pöltner Bürgermeister Stadler und begeht damit Verrat an den Arbeitern der Glanzstoff. Die Wahrheit ist, und das stellt auch der unabhängige Verwaltungssenat fest, dass es seitenser St. Pöltner Stadtführung hier massive Verfahrensmängel gegeben hat." Heinzl, SPNÖ-Chef LHStv. Josef Leitner und Stadler hätten "hunderte Arbeitsplätze auf dem Gewissen". (APA)

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