Erdrückt von Altlasten

11. August 2008, 16:45
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Über Joe Zawinuls Birdland-Club wurde das Konkursverfahren er­öff­net - Hohe Umbau­kos­ten waren aus­schlag­­ge­bend für Finanz­probleme

Wien - Rumort hat es schon länger, nun hat man die Notbremse gezogen: Über die Wiener Birdland Betriebs- und Veranstaltungsservice GmbH, die Joe Zawinuls Jazzclub Birdland betreibt, wurde das Konkursverfahren eröffnet. Als Grund wurden im Antrag die hohen Kosten des einstigen Umbaus der Lokalität angegeben, wie der Kreditschutzverband von 1871 (KSV) am Montag mitteilte.

"Es ist uns zuletzt so gut gegangen wie noch nie" , meint Geschäftsführer und 90-Prozent-Eigentümer Karl Resch. Heikel sei die Situation zuletzt auch dadurch geworden, dass in Medienberichten von der prekären Finanzlage des Clubs zu lesen war. Ab diesem Zeitpunkt hätten Künstleragenturen Garantieerklärungen zum Weiterbestand des Lokals gefordert. "Aber die konnte ich nicht geben." Resch sei nicht mehr bereit, weiter persönlich zu haften.

Das Birdland hatte bald nach seiner Eröffnung Probleme bekommen. Die Baukosten, so heißt es im Konkursantrag, wurden zum Teil fremdfinanziert und konnten durch den operativen Bereich nicht erwirtschaftet werden.

Auch waren die Verhandlungen mit Partnern erfolglos geblieben: "Da die Einnahmen - samt Förderungs- und Sponsorgelder - nicht ausreichten, wurden Gespräche mit Investoren geführt, die sich jedoch zerschlagen haben" , so Resch. Das Ergebnis sind Passiva im Ausmaß von rund 500.000 Euro. Das endgültige Aus für das Birdland soll damit aber nicht besiegelt sein. Die Betreiber würden nach der Sommerpause den Spielbetrieb wie geplant am 19. August wieder aufnehmen. Auch seien an sich schon Konzerte bis in den Herbst hinein geplant gewesen. Ob dies gelinge und das Konkursgericht eine Fortführung genehmigt, bleibe aber abzuwarten, hieß es dazu von Seiten des KSV.

Resch hofft, dass ein Ausgleich gelingt und man dann mit einem neuen Konzept, das das Birdland als Ort der Kultur definiert, einen Neubeginn versuchen kann. "Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass es das Birdland weiter gibt. Nur die Unterstützung ist ein bisserl ausgeblieben" , so Resch: "Ich hoffe, dass man jetzt so vernünftig ist, das Birdland nicht sterben zu lassen!" Die Forderung nach Unterstützung richtet sich an die öffentliche Hand, vor allem an die Stadt Wien. Diese könne nicht so tun, als ob sie das Birdland nichts mehr anginge. Es gäbe zwar laufende Gespräche, aber wirklich gut ist Resch auf die Stadt Wien nicht zu sprechen.

Etwas bitter erwähnt Resch, dass er noch die Worte von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Ohr habe, der an Joe Zawinuls Grab gemeint habe, man würde alles unternehmen, um den Jazzclub als Gedenkstätte für den Jazzmusiker zu erhalten. Das war im September des Vorjahrs. Man wird sehen. Von der Insolvenz sind sechs Mitarbeiter betroffen. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung wird am 14. Oktober am Handelsgericht Wien stattfinden. Mögliche Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 30. September einbringen. (toš, DER STANDARD/Printausgabe, 12.08.2008)

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    Joe Zawinuls Club ist in schweren Nöten.

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