Intel und Co entdecken Internetradio als Sprachrohr

11. August 2008, 13:42
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BlogTalkRadio lizenziert Sende-Technologie an Unternehmen

Die Internetradio-Plattform BlogTalkRadio will mit Services für Unternehmen Kasse machen. Eigentlich ermöglicht es BlogTalkRadio Hobbymoderatoren, kostenlos mit einer eigenen Radioshow auf Sendung zu gehen. Die zunehmende Zusammenarbeit mit Firmen könnte nun der Schlüssel für den finanziellen Erfolg sein, berichtet BusinessWeek. Die Idee: Unternehmen lizenzieren die Sende-Technologie, um Beiträge für ihre Mitarbeiter und die Außenwelt zu erstellen. Das Service-Paket, das auch den Betrieb der virtuellen Radiostation sowie die automatische Podcast-Aufnahme beinhaltet, kostet 7.500 Dollar pro Monat.

Tool für Entwickler

Unter den ersten Nutzern sind die Technologieriesen Intel und Sun Microsystems sowie der New Yorker Verlag HarperCollins Publishers. Der Chipkonzern Intel setzt das Blogradio etwa als Tool für seine Entwickler ein, um diese als Gruppe kommunizieren zu lassen, auch wenn sie über den gesamten Erdball verstreut arbeiten. Alan Levy, 49-jähriger Mitgründer von BlogTalkRadio, beschreibt den Service als eine Audio-Variante des Bloggens. "Jedes Unternehmen versucht, Teil der Unterhaltung zu sein", zeigt sich Levy überzeugt.

Der Erfolg gibt dem Internet-Unternehmer Recht. Noch erwirtschaftet BlogTalkRadio zwar keine Gewinne. Im Juni sicherte sich die Plattform in einer vom Investor Kraft Group geführten Finanzierungsrunde 4,6 Mio. Dollar. Das Geld soll nun in die weitere Expansion, einen Ausbau der Video-Funktion sowie die Internationalisierung des Angebots gesteckt werden. Neben den Unternehmen finanziert sich BlogTalkRadio über Werbeeinschaltungen in den Sendungen. Dabei erhält der User 35 bis 50 Prozent der Einnahmen. Insgesamt verbucht der Internet-Radio-Betreiber nach eigenen Angaben mehr als 3,2 Mio. Hörer pro Monat. Seit dem Start sind bereits 100.000 Sendungen über den Äther gegangen.

"Eine Vielzahl von Produktionsfirmen erstellen im Auftrag von Unternehmen Radiobeiträge, die vor allem von den ehrenamtlich wirkenden und selten journalistisch geschulten Internetradio-Betreibern ohne Bedenken eingesetzt werden"

Auch in Europa verzeichnet die Internetradio-Szene regen Zulauf. Nach Schätzungen des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) soll die Hörerschaft der IP-Radios bis ins Jahr 2010 europaweit auf 31,9 Mio. Menschen anwachsen. Damit gerät das Medium zunehmend in das Visier von Werbetreibenden. Der Bundesverband Freier Radios (BFR)  verzeichnet in Deutschland etwa eine massive Zunahme von Auftragsproduktionen. "Eine Vielzahl von Produktionsfirmen erstellen im Auftrag von Unternehmen Radiobeiträge, die vor allem von den ehrenamtlich wirkenden und selten journalistisch geschulten Internetradio-Betreibern ohne Bedenken eingesetzt werden", kritisiert Steffen Käthner, geschäftsführender Vorstand des BFR im Gespräch mit pressetext. Die Aufsichtsbehörden sollten diese Entwicklung schärfer überwachen, fordert Käthner. (pte)

 

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