Der Tarnkappe einen Schritt näher

11. August 2008, 14:11
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US-Wissenschafter bringen erstmals dreidimensionale Objekte zum Verschwinden - vorerst allerdings nur im mikroskopisch kleinen Bereich

London - Mehrere Wege wurden bereits beschritten bei der Konstruktion einer funktionierenden Tarnkappe. Nicht zuletzt das Militär hat größtest Interesse an einer solchen Technologie, dem entsprechend intensiv wird an Kleidung geforscht, die Bildschirm-artig den Hintergrund einer Person projeziert oder werden Vorrichtungen konstruiert, die immerhin bereits Mikrowellen um Objekte herum leiten können. Nun wollen US-amerikanische Wissenschafter in der Tarnkappen-Entwicklung einen bedeutenden Schritt weiter gemacht haben.

Die Techniker von kalifornischen Forschungseinrichtungen erklärten, sie hätten erstmals ein dreidimensionales Objekt verschwinden lassen - zunächst allerdings im mikroskopisch kleinen Bereich. Auch wenn sie das nur in der Größenordnung von einem Milliardstel Meter geschafft haben, glauben die Forscher, dass sich dieser Effekt in Zukunft auch auf einen ganzen Menschen ausdehnen lässt. Mehr noch: Es gebe keinen Grund, warum das Prinzip nicht selbst bei Panzern oder gar einem Öltanker funktionieren sollte.

Schon seit Jahren arbeiten verschiedene Forschergruppen an künstlich hergestellten Metamaterialien, die Licht auf ungewöhnliche Weise brechen und Objekte unsichtbar machen sollen. Bisherige Versuche scheiterten jedoch an zwei Beschränkungen: Sie funktionierten nur im - für Menschen unsichtbaren - Mikrowellenbereich des Lichtspektrums und lediglich bei zweidimensionalen Objekten.

"Negative Abstrahlung"

Das neue Material erzeuge dagegen einen Effekt, der auch dreidimensionale Objekte verschwinden lasse, erklärten die Forscher unter der Führung von Xiang Zhang von der Universität von Kalifornien und dem Lawrence Berkeley National Laboratory. Demnach weist ihr Material mit einer mehrlagigen Fischernetzstruktur aus Silber und Magnesiumfluorid eine "negative Abstrahlung" auf. Das Licht breite sich beim Übergang von zwei Materialien - etwa von Luft in Wasser oder Glas - genau entgegengesetzt der normalen Richtung aus.

"Bei Tarnkappen oder -schildern müsste das Material Lichtwellen vollständig um das Objekt herum krümmen, wie ein Fluss, der um einen Felsen fließt", sagte Zhang der "Sunday Times". "Ein Beobachter, der auf das verhüllte Objekt schaut, würde dann das Licht von dahinter sehen, womit es verschwinden würde."

Versteckte Flugzeugträger

Eine direkte Anwendung ist den Wissenschaftern zufolge der Bau von Speziallinsen für Mikroskope, mit denen so kleine Dinge wie Moleküle sichtbar gemacht werden könnten.

Aber das US-Militär, das die Forschungen finanziert, hat natürlich andere Ziele: Es hofft auf einen neue Generation von Tarnkappen-Technologie, die in Zukunft vielleicht alles vom Soldaten bis zum Flugzeugträger verstecken könnte. Denn heutige "Tarnkappen" setzen bisher lediglich darauf, die Reflexion etwa von Flugzeugen so weit wie möglich zu verringern und sind von "Unsichtbarkeit" noch weit entfernt. (APA/red)

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