Warum die russische Reaktion so harsch ausfiel, Öl eine untergeordnete Rolle spielt, und ob sich der Konflikt ausweiten könnte - Sieben Antworten auf sieben Fragen
Warum reagiert Russland so scharf auf die georgische Militäroffensive in Südossetien?
Das Ende der Sowjetunion bedeutete für Russland den Verlust von einem Viertel seines Territoriums und einem Drittel seiner Rohstoffvorkommen. Um diesen politischen und wirtschaftlichen Machtverlust abzufedern, versucht Russland die Annäherung der ehemaligen Sowjetrepubliken an den Westen zu verhindern.
Russland versucht durch eine Destabilisierung Georgiens eine weitere Annäherung an westliche Militär- und Wirtschaftsbündnisse zu unterbinden.

Russische Truppen unterwegs Richtung Abchasien
Das Kalkül dahinter: NATO und EU haben wohl kaum Interesse einen Staat als Mitglied aufzunehmen, an dessen Grenzen es immer wieder militärische Auseinandersetzungen gibt. Deswegen auch die Unterstützung für die nach Unabhängigkeit strebenden Regionen Südossetien und Abchasien. Russland empfindet Georgien als US-Vorposten an seiner Grenze. Eine weitere Annäherung Georgiens an den Westen würde einen Machtverlust Russlands in der Region bedeuten.
Seit dem Machtantritt Schaakaschwilis in Georgien im Jahr 2003 hat sich die ohnehin angespannte Situation noch weiter zugespitzt.
Ausschlaggebend waren zwei Punkte im politischen Programm des neuen Präsidenten, erklärt Uwe Halbach von der in Berlin ansässigen Stiftung für Wissenschaft und Politik. Zum einen sei das die euroatlantische Neuorientierung der georgischen Außen- und Sicherheitspolitik gewesen, und zum zweiten hat Georgien die zügige Wiedervereinigung mit den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien ganz nach oben auf die politische Agenda gerückt.
Sabine Freizer, die Direktorin der Brüsseler Zweigstelle der International Crisis Group, erkärt die russische Militärintervention folgendermaßen: "Russland argumentiert auch mit der Verteidigung seiner Staatsbürger. Südosseten und Abchasier haben russische Pässe und verstehen sich auch als Russen."
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