Georgien-Konflikt tobt auch im Internet

11. August 2008, 18:54
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Zahlreiche offizielle georgische Internetseiten nicht erreichbar, Nachrichtenseiten unter DoS-Attacke - Estland schickt Hilfe

Seit Beginn der Kampfhandlungen zwischen Russland und Georgien um die autonomen Gebiete Südossetien und Abchasien sollen georgische Netzwerke massiven Angriffen ausgesetzt sein. Laut dem Blog RBN Exploit soll daran unter anderem das Russian Business Network (RBN) beteiligt sein.

Server unter fremder Kontrolle

Zahlreiche georgische Internetserver sollen sich demnach seit vergangenem Donnerstag unter fremder Kontrolle befinden. Das berüchtigte RBN habe wichtige Server übernommen. Dabei soll auch die russische Regierung ihre Finger im Spiel haben. Wie die Blogger in einem Diagramm zeigen, laufe ein Großteil des georgischen Internet-Traffics über russische Server.

Regierungsseiten nicht erreichbar

Seit Samstag seien zahlreiche offizielle, georgische Webseiten nicht mehr erreichbar. Wie in dem Blog berichtet wird, habe man in Deutschland die Blockade für einige Stunden umgehen und direkt nach Georgien routen können. Russland habe den Traffic mittlerweile aber wieder auf eigene Server umleiten können. Laut dem Blog seien die Regierungsseiten unter anderem aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland nicht erreichbar. Aber auch aus Österreich konnte Montagvormittag auf mehrere Seiten der georgischen Regierung nicht zugegriffen werden.

Schwierige Informationssuche

Neben den Bloggern seien die Cyberattacken auch von anderen Nachrichtenseiten wie der russischen Agentur RIA Novosti oder dem georgischen Privatsender Rustawi 2 bestätigt worden, wie georgien-nachrichten.de berichtet. Sie Seite des Senders war Montagvormittag nicht erreichbar. Andere Seiten sind zwar prinzipiell erreichbar, bauen sich aber nur sehr langsam auf. So behaupten auch die Betreiber der Seite Civil.ge unter permanenter DoS-Attacke (Denial of Service) zu stehen. Bei einigen Seiten kann der langsame Aufbau aber auch an verstärkten Zugriffen von Informationssuchenden liegen  aufgrund der aktuellen Entwicklungen.

Die Blogger weisen Internetuser darauf hin, dass die Informationen auf als offiziell auftretende georgische Webseiten momentan gefälscht seien könnten. Gesicherte Informationen seien momentan etwa auf georgiamfa.blogspot.com erreichbar.

Spezialisten sollen gegen russische Online-Angriffe beistehen

Die estnische Regierung hat die Entsendung von Computerspezialisten angekündigt, die Georgien im Konflikt mit Russland bei der Abwehr von Online-Angriffen unterstützen sollen. Zwischen Estland und Georgien habe es Gespräche wegen der aktuellen Internetprobleme des Landes gegeben, sagte Katrin Pargmae von einer spezialisierten Einheit am Montag.

Nach einem Streit um die Versetzung eines sowjetischen Militärdenkmals in der estnischen Hauptstadt Tallinn im April 2007 hatten Hacker zahlreiche Internetseiten aus Estland lahmgelegt. Die estnischen Behörden klagten darauf Mitglieder der russischen Minderheit im Land an. Die meisten der Internetangreifer wurden jedoch in Russland vermutet. (br)

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    Der Konflikt zwischen Russland und Georgien wird auch im Internet ausgetragen.

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