Die Birke ist der Baum ...

  • Regen Zuspruchs erfreut sich der Wasserweg von Moskau nach St.
Petersburg schon deshalb, weil dabei sehr unterschiedliche Landschaften
passiert werden und die Landgänge unkompliziert sind. Die beschriebene
Route wird in einer zehn- und in einer dreizehntägigen Variante für
zahlreiche Termine von Nicko Tours angeboten. Für österreichische
Abflughäfen muss ein Zuschlag bezahlt werden, und das Visum kostet
ebenfalls extra, es wird aber organisiert. Der günstigste Preis pro
Person in der Doppelkabine liegt bei rund 1000 Euro.nicko-tours.de
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    Regen Zuspruchs erfreut sich der Wasserweg von Moskau nach St. Petersburg schon deshalb, weil dabei sehr unterschiedliche Landschaften passiert werden und die Landgänge unkompliziert sind. Die beschriebene Route wird in einer zehn- und in einer dreizehntägigen Variante für zahlreiche Termine von Nicko Tours angeboten. Für österreichische Abflughäfen muss ein Zuschlag bezahlt werden, und das Visum kostet ebenfalls extra, es wird aber organisiert. Der günstigste Preis pro Person in der Doppelkabine liegt bei rund 1000 Euro.
    nicko-tours.de

  • Die Wolga bei Jaroslawl.
    foto: monedula/pixelio.de

    Die Wolga bei Jaroslawl.

  • Die "Weißen Nächte", in denen die Sonne nie ganz untergeht in St.
Petersburg, sind heuer zwar schon vorbei, aber es gibt genügend
andere Gründe, hier einige Tage an die Kreuzfahrt anzuhängen. United
Tours ist ein guter Ansprechpartner, wenn es etwa darum geht, hier ein
vernünftiges Hotel zu finden, das den Budgetrahmen nicht sprengt. Der
Russland-Spezialist kann aber auch ein interessantes Programm für nur
wenige Tage zusammenstellen, das zwar jederzeit individuell, aber auch
mit kundiger Reiseleitung gebucht werden kann.unitedtours.at
    foto: russian national tourist office

    Die "Weißen Nächte", in denen die Sonne nie ganz untergeht in St. Petersburg, sind heuer zwar schon vorbei, aber es gibt genügend andere Gründe, hier einige Tage an die Kreuzfahrt anzuhängen. United Tours ist ein guter Ansprechpartner, wenn es etwa darum geht, hier ein vernünftiges Hotel zu finden, das den Budgetrahmen nicht sprengt. Der Russland-Spezialist kann aber auch ein interessantes Programm für nur wenige Tage zusammenstellen, das zwar jederzeit individuell, aber auch mit kundiger Reiseleitung gebucht werden kann.
    unitedtours.at

  • Genauso heiter wie die 125 Meter lange und 240 Passagiere fassende MS
Tschitscherin sind auch die baugleichen Schwesternschiffe. Denn sie
alle verfügen nur über Außenkabinen, haben ein großzügiges Sonnendeck
und für Kareliens nicht immer gnädiges Wetter eine Sauna. An Bord
werden russische Spezialitäten serviert, wem ein Wodka-Seminar nicht
Landeskunde genug ist, kann hier auch Russischkurse besuchen.
Bordwährung ist der Rubel, es kann aber mit Kreditkarten bezahlt werden
- als Trinkgeld wird der Euro (rund fünf pro Tag sind üblich) dennoch
gern gesehen.
    foto: nicko tours

    Genauso heiter wie die 125 Meter lange und 240 Passagiere fassende MS Tschitscherin sind auch die baugleichen Schwesternschiffe. Denn sie alle verfügen nur über Außenkabinen, haben ein großzügiges Sonnendeck und für Kareliens nicht immer gnädiges Wetter eine Sauna. An Bord werden russische Spezialitäten serviert, wem ein Wodka-Seminar nicht Landeskunde genug ist, kann hier auch Russischkurse besuchen. Bordwährung ist der Rubel, es kann aber mit Kreditkarten bezahlt werden - als Trinkgeld wird der Euro (rund fünf pro Tag sind üblich) dennoch gern gesehen.

... die Wolga der Fluss und Wodka das Wasser. Russische Landeskunde auf der "MS Tschitscherin". Es wird auch touristisches Neuland angesteuert

Eine Flasche Kwas nach der anderen wird an diesem Spätnachmittag aus dem gelben Tankwagen abgefüllt. Das Thermometer in Kostroma an der oberen Wolga zeigt 28 Grad im Schatten. Ihren Stand hat die Verkäuferin vor den ehemaligen Handelsreihen, den Verkaufs- und Lagerhäusern der Kaufleute, postiert. Einheimische und Touristen schlendern in Scharen vorbei und stillen ihren Durst mit dem hellbraunen Erfrischungsgetränk, vergoren aus Roggenbrot, Hefe, Zucker und Rosinen. Die meisten jungen Menschen mögen es hier allerdings längst lieber westlich: Sie decken sich wenige Schritte weiter am Kiosk mit Coca-Cola Light und Heineken-Bier ein und diskutieren im Schatten eines Lenin-Denkmals über ihre Zukunft im heutigen Russland.

Die Handelsreihen waren ursprünglich Umschlagplatz für Waren wie Flachs, Fisch, Gemüse und Viehfutter, die per Schiff über die Wolga angeliefert wurden. Heute stehen viele Geschäfte leer, oder es präsentieren sich Banken, Videotheken und Mobilfunkanbieter. Hinter den klassizistischen Fassaden verbirgt sich im Innenhof dann doch ein Markt, der an Gemüse und Obst alles bietet, was der Magen begehrt: zu Spottpreisen für westliche Touristen. Jedoch zu teuer für die meisten russischen Pensionisten. Um ihre karge Pension wenigstens ein bisschen aufzustocken, verkaufen einige ältere Frauen auf der Straße vor dem Markt für ein paar Rubel Flieder und Maiglöckchen aus dem heimischen Garten. Nur die pensionierte Hochschullehrerin, die uns durch Kostroma führt, hat es da etwas leichter, sie bessert ihre Einkünfte mit deutschsprachigen Stadtführungen auf.

Schleusen, Seen und Sekt

Vor zwei Tagen hat die "MS Georg Tschitscherin" die russische Hauptstadt Moskau in Richtung St. Petersburg verlassen. Mit russischem Sekt und einem "Dobro poschalowat - herzlich willkommen" begrüßte Kapitän Alexej Zarjev seine 240 Passagiere. "In acht Tagen werden wir fast zweitausend Kilometer auf dem Wasser zurücklegen", übersetzte die Bordreiseleiterin Lena: "Wir fahren über drei Flüsse, fünf Seen, durch mehrere Kanäle und passieren 18 Schleusen."

Der erste Landgang führt in die Uhren-Stadt Uglitsch. Was es hier außer den Tschaika-Werken, wo noch immer über 3000 Menschen Uhren herstellen, zu sehen gibt, kann man schon vom Schiff aus erkennen: Noch eindrucksvoller glitzern hier nur die grünen Zwiebeltürme der Verklärungskathedrale und die blauen der Dimitrij-Blut-Kirche am Wolga-Ufer in der Sonne.

Die nächsten Stationen sind bereits Kostroma und Jaroslavl; für diese beiden Städte wird sogar ein kleiner Umweg auf dem Fluss in Kauf genommen. Denn allein die Prophet-Elias-Kirche im Jaroslavler Stadtzentrum ist weithin für ihre gut erhaltenen Fresken berühmt. Von 1918 bis 1991 war die Religionsausübung staatlich kontrolliert, viele Kirchen und Klöster wurden gesprengt oder zu Lagerhäusern oder Wohnungen umgestaltet. Erst seit der Wende werden sie wieder mühsam und größtenteils mit Spendengeldern restauriert - zumindest hier ist das besonders gut gelungen.

"Die Birke ist der Baum, die Wolga der Fluss und der Wodka das Wasser Russlands", zitiert Lena abends beim Wodka-Seminar. Ihr Kollege, der tagsüber an der Rezeption der "MS Tschitscherin" arbeitet, erhebt sich nun, nimmt sein Glas zwischen Ring- und Mittelfinger der linken Hand und atmet einmal tief aus: "Za zdarowje!" - "Auf die Gesundheit!" Nach dem ersten Glas darf nichts gegessen werden, man nimmt ein Stück Schwarzbrot in die Hand und schnuppert daran. Nun erst folgt Vorführung Nummer zwei: Diesmal stellt der Rezeptionist das Glas auf die Außenfläche seiner rechten Hand und balanciert es zielsicher zum Mund, ohne etwas vom russischen Wässerchen zu verschütten, das gegen Erkältung, Zahnweh und Heimweh helfen soll. Bevor die Passagiere die restlichen drei Wodka-Sorten probieren, gibt es aber ausreichend Sakuski, also Kleinigkeiten wie Blini mit Lachs, Kaviar, Heringe, Pilze und Piroschki. Der krönende Abschluss nach dem letzten Wodka ist eine saure Gurke.

Kirchen je nach Saison

Am nächsten Tag läuft das Schiff die Museumsinsel Kischi im Onegasee an. Ihr Wahrzeichen sind die hölzerne Sommerkirche, die kleinere Winterkirche und der dazwischen stehende Glockenturm. Die Sommerkirche war im Winter zu groß und zu kalt, erfahren wir im angeschlossenen Museum, erst deshalb wurde die kleinere Winterkirche aus Birkenholz gebaut, in der sich die Leute gegenseitig wärmen konnten.

Über den Fluss Svir gleitet die "Tschitscherin" von hier aus weiter durch Karelien, das Land der Wälder und Seen. Seeadler sitzen in den Fichten und Birken, die die Ufer säumen, Kinder baden im eiskalten und klaren Fluss. Aber es sind die Möwen, die hier kreischen und entgegenkommende Frachter begleiten; nichts anderes als Baumstämme haben diese geladen.

Neuer Geist und Wodka

Die letzte Station vor St. Petersburg ist das Dorf Verkhnie Mandrogi, das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Um das ansässige Wodka-Museum zu sehen, wird man hier nicht herkommen, auch wenn es heute mit 2561 verschiedenen Sorten aufwarten kann. 1996 aber ergriff der Privatunternehmer Sergej Gutsait die Initiative, dem Dorf auf eine andere Art wieder Geist einzuhauchen. Dazu holte er die besten russischen Kunsthandwerker in den Ort, die wieder ihren traditionellen Berufen nachgehen sollten. Die meisten sind finanziell freilich dazu gezwungen, Souvenirs herzustellen.

So sind aber selbst Matrjoschka-Puppen, die die Künstler in Mandrogi fertigen, zwar um einiges teurer als auf den Märkten entlang der Strecke, dafür aber handgefertigt und überraschend kunstvoll. Ihre letzten Rubel haben die Passagiere meist schon zuvor ausgegeben, und darauf scheint man sich einzustellen: Bezahlt wird längst mit der Gemeinschaftswährung, denn "nicht der Rubel rollt, sondern der Euro", versichert die Reiseleiterin.

Am letzten Abend fährt die "MS Tschitscherin" durch ein Spalier von Schlauch- und Holzbooten in den größten See Europas, den Ladogasee. Noch endet der Blick irgendwo dort, wo sich das Wasser und der Himmel Kareliens zu vermischen scheinen. Bis zum Sonnenuntergang kurz vor Mitternacht dauert es noch zwei Stunden. Am frühen Morgen wird das Schiff St. Petersburg erreichen. (Dagmar Krappe/DER STANDARD/Printausgabe/9./10.8.2008)

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