Teuerung frisst Arbeitslosengeld auf

11. August 2008, 14:58
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Der Wertverlust drückt die Bezieher des Arbeits­losengeldes zunehmend unter die Armutsgrenze, so eine AK-Studie

Wien - Ein durchschnittliches Einkommen reiche nicht mehr aus, um ein Arbeitslosengeld zu erhalten, das über der Armutsschwelle liegt - zu diesem Ergebnis kommt die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) in einer am Montag veröffentlichten Studie. Laut Autor Marc Pointecker beträgt das durchschnittliche Arbeitslosengeld derzeit 772 Euro pro Monat und liegt deutlich unter der offiziellen Armutsgefährdungsschwelle (840 Euro). Das durchschnittliche Arbeitslosengeld sei heute real vier Prozent weniger wert als im Jahr 2000, so Pointecker: "Als durchschnittlicher Arbeitnehmer oder als durchschnittliche Arbeitnehmerin wird man, wenn man arbeitslos wird, ein Einkommen unterhalb der Einkommensarmutsgrenze bekommen. Denn man muss mindestens 2149 Euro brutto pro Monat verdienen, damit man über der inflationsbereinigten Armutsgrenze bleibt."
Dass lediglich 33 Prozent der Arbeitslosen als armutsgefährdet gelten, haben sie dem Einkommen ihren Partner zu verdanken.

Notstandshilfebezieher noch härter betroffen

Noch härter treffe es Bezieher der Notstandshilfe (diese erhält man, wenn man nach 52 Wochen Arbeitslosigkeit noch immer keinen Job hat). Durchschnittlich beträgt sie 595 Euro im Monat - auch das deutlich weniger als 2000: Real sank die Notstandshilfe um 7,6 Prozent. "Das hängt damit zusammen, dass das Partnereinkommen in die Berechnung der Notstandshilfe miteinbezogen wird. Verdient der Partner oder die Partnerin mehr als einen bestimmen Betrag, sinkt die Notstandshilfe. Die sogenannten Freigrenzen sind sehr niedrig angesetzt und de facto nicht inflationsangepasst" , erklärt Pointecker.

Arbeitslosengeld anpassen

Die Forderung der Arbeiterkammer: "Das Arbeitslosengeld sollte an das europäische Niveau angepasst werden, das bei 75 Prozent des Letzteinkommens liegt. In Österreich sind es 55 Prozent. Nur in Irland, Ungarn und Griechenland ist die soziale Absicherung schlechter als in Österreich" , so AKNÖ-Präsident Josef Staudinger. Außerdem sollten Arbeitslosengeld und Notstandshilfe an die Inflation angepasst werden.  Auch bei den Reallöhnen gab es - wie berichtet - zwischen 2000 und 2007 keine großartigen Steigerungen. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) stiegen die Durchschnittsentgelte seit dem Jahr 2000 um gerade 0,26 Prozent, von netto 17.848 Euro pro Jahr auf 18.192 Euro (Durchschnitte aus Daten zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung). (APA, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2008)

 

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    Wegen der Inflation reiche ein durchschnittliches Einkommen nicht mehr aus, um im Fall von Arbeitslosigkeit eine Ersatzleistung über der Armutsgrenze zu erhalten.

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