WestLB will Milliardenwerte verkaufen

11. August 2008, 08:43
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Die durch Fehlspekulationen und die Finanzkrise in Not geratene Bank will sich unter dem Druck der EU von Milliardenwerten trennen

Frankfurt - Die durch Fehlspekulationen und die Finanzkrise in Not geratene WestLB will sich unter dem Druck der EU von Milliardenwerten trennen. Die Bank plane eine "Abwicklungseinheit" für Wertpapiere und Beteiligungen im Wert von mehr als 20 Mrd. Euro, sagte Vorstandschef Heinz Hilgert der "Welt am Sonntag". Diese Aktiva habe die Bank "eher opportunistisch" und ohne Kundenbezug zusammengekauft, kritisierte der im Mai neu angetretene Bankchef.

Die EU-Kommission hat über eine Milliardenbürgschaft der öffentlichen Eigentümer der Bank zu entscheiden. Es wird erwartet, dass sie im Gegenzug für eine Genehmigung der Beihilfe einen Umbau der Bank und eine neue Eigentümerstruktur fordert.

"Diese Werte werden wir in eine eigene Einheit ausgliedern und verkaufen", sagte Hilgert der Zeitung. Es gehe um werthaltige Aktiva, die zum Buchpreis verkauft werden könnten und "sicher mehr als 20 Milliarden Euro" wert seien. "Die werden wir aber nicht sofort, sondern innerhalb von drei bis fünf Jahren systematisch abarbeiten." Damit werde keine wesentliche Ertragsbelastung verbunden sein. Außerdem will Hilgert das Geschäft mit Projektfinanzierungen und strukturierten Finanzierungen deutlich ausdünnen.

Der Bankchef räumte ein, dass ihn die Forderungen der EU überrascht hätten: "In der Form, die sich abzeichnet, haben die Eigentümer und die Bank die Auflagen nicht erwartet." Es wird erwartet, dass die Kommission auf eine Verkleinerung der Bank mit massivem Personalabbau sowie einen Verkauf oder eine Fusion dringt. Die "Börsen-Zeitung" berichtete am Samstag, die Kommission wolle auch erreichen, dass die WestLB selbst Träger von Sparkassen werden dürfe.

Fusionen

Hilgert rechnet in den kommenden 12 Monaten mit Fusionen in der deutschen Landesbankenlandschaft. Zuvor müssten sich die öffentlich-rechtlichen Institute allerdings einer Art Schrumpfkur unterziehen, sagte Hilgert der "Welt am Sonntag". Weder große Zusammenschlüsse noch eine mehrheitliche Privatisierung der Kreditinstitute sind aus Hilgerts Sicht in der heutigen Form denkbar. "Ich kenne keine Landesbank, die ihre Bonitätsnoten auch nur annähernd halten könnte, wenn der Rückhalt von Land und Sparkassen wegfällt", betonte Hilgert.

Außerdem will Hilgert andere Schwerpunkte setzen: "Wir wollen uns stärker konzentrieren auf die Themen Energie, Infrastruktur, Rohstoffhandel und die Finanzierung von Firmenbeteiligungen". Die EU-Kommission verlangt, dass die WestLB im Gegenzug zu den Milliardenbeihilfen ihrer Eigentümer die Bilanzsumme bis zu 50 Prozent verringert und das Land, die Sparkassen und Kommunen ihre Mehrheit an dem Institut verringern. Hierzu haben sie sich inzwischen bereiterklärt. Der von den Brüsseler Wettbewerbshütern angeforderte Sanierungsplan war am Freitag bei der EU-Kommission eingetroffen und wird nun geprüft. Wie lange dies dauern wird, ist nicht absehbar.

Die drittgrößte Landesbank hatte sich in der Finanzkrise massiv verspekuliert. 2007 fiel ein Verlust von 1,6 Mrd. Euro an. Anfang des Jahres mussten das Land NRW und seine Sparkassen als Eigentümer die Bank mit einem 5 Mrd. Euro schweren Rettungspaket stützen. Pläne der Bankkonzerns, mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder der hessisch-thüringischen Helaba zu fusionieren, sind im vergangenen Jahr und Anfang 2008 an unterschiedlichen Vorstellungen der Anteilseigner gescheitert. (APA/Reuters/dpa)

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    Die EU-Kommission hat über eine Milliardenbürgschaft der öffentlichen Eigentümer der Bank zu entscheiden. Es wird erwartet, dass sie im Gegenzug für eine Genehmigung der Beihilfe einen Umbau der Bank und eine neue Eigentümerstruktur fordert.

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