Georgien-Konflikt lässt Ölpreis steigen

11. August 2008, 10:45
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Die Unterbrechung von Rohöl-Lieferungen aus der kaspischen Region hat am Montag zu steigenden Ölpreisen geführt

Die Unterbrechung von Rohöl-Lieferungen aus der kaspischen Region hat am Montag zu steigenden Ölpreisen geführt. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der US-Sorte WTI kletterte um rund einen Dollar auf 116,25 Dollar (77,12 Euro). Die in Europa führende Nordseesorte Brent verteuerte sich ebenfalls um rund einen Dollar auf 114,35 Dollar je Fass.

Die andauernden Kämpfe zwischen Russland und Georgien um die Provinz Südossetien schüren nach Aussage von Händlern Sorgen vor Lieferengpässen beim Öl. "Der militärische Konflikt in Georgien ist der Hauptfaktor für den steigenden Ölpreis", sagte Analyst David Moore von der Commonwealth Bank von Australien. "Seit wir von der ersten russischen Attacke in der vergangenen Woche gehört haben, ist so schnell so viel passiert."

Nach Angaben von Spediteuren führt der Konflikt inzwischen dazu, dass zwei georgische Häfen, von denen Öl aus Aserbaidschan und Kasachstan transportiert wird, nur teilweise funktionieren. Zudem verwiesen Händler darauf, dass durch die Region wichtige Öl-Pipelines führen: Die wichtigste ist die fast 1.800 km lange Röhre vom aserbaidschanischen Baku am Kaspischen Meer über Tiflis in Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Dort wird das Öl auf Tanker verladen. Wegen ihrer Hauptstationen Baku, Tiflis und Ceyhan wird die Pipeline häufig mit BTC abgekürzt. Sie ermöglicht den Transport von 1,2 Mio. Barrel am Tag.

Schwächung für Nabucco

Für die geplante "Nabucco" -Pipeline, die ab 2013 Erdgas aus der kaspischen Region nach Europa bringen soll, ist der Georgien-Konflikt "eine deutliche Schwächung" , sagt der Innsbrucker Politologe und Russland-Experte Gerhard Mangott. Nach den Plänen der "Nabucco" -Gesellschaft, an der die OMV federführend beteiligt ist, soll Aserbaidschan der erste Gas-Lieferant für Nabucco werden - der einzige Transportweg von Aserbaidschan zur Nabucco-Anschlussstelle in der Türkei führt über Georgien. Das Nabucco-Projekt verfolgt aus Sicht der EU den Zweck, die Gas-Abhängigkeit von Russland zu verringern, und ist Moskau daher ein Dorn im Auge. "Alles, was die Region destabilisiert, nützt Russland" , erklärt Mangott.

Dollaranstieg dämpft

Auf den Ölpreis dämpfend wirkte dagegen Händlern zufolge der kräftige Anstieg des Dollar. Die US-Währung stieg zu einem Korb aus sechs Währungen zeitweise auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr.

Auch der Gold-Preis zog zum Wochenauftakt wieder an. Nach dem jüngsten Preisrückgang stiegen Händlern zufolge Schnäppchenjäger ein. Eine Feinunze des Edelmetalls kostete 865,50 Dollar, nachdem Händler am Freitag zeitweise etwas mehr als 850 Dollar gezahlt hatten. Kurzfristig werde der Preis weiter stark auf die Ölpreisentwicklung und auf politische Unruhen reagieren, sagte Analyst Marc Elliot von der australischen Researchgruppe Fairfax. Die physische Nachfrage von Juwelieren halte sich typischerweise für diese Jahreszeit in Grenzen.

Kupfer wurde zu 7.388 Dollar je Tonne und damit etwas günstiger als im späten Freitagsgeschäft gehandelt. Zwar habe China im Juli etwas mehr importiert, aber mittelfristig werde die Nachfrage nicht deutlich steigen, sagte Analyst Pravin Singh von der indischen Sharekhan Commodities. Kupfer wird vor allem in der Bauindustrie verwendet. Der Kupferpreis korreliert Analysten zufolge stark mit dem Weltwirtschaftswachstum. Die sich in jüngster Zeit abzeichnende Konjunktureintrübung hat auch den Kupfer-Preis deutlich unter Druck gebracht. (APA)

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