Isaac Hayes 1942 - 2008

10. August 2008, 22:40
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Einer der größten US-Musiker ist am Wochenende gestorben: Isaac Hayes, Meister des "Hot Buttered Soul", erlag kurz vor seinem 66. Geburtstag einem Schlaganfall

Memphis - Wenige haben die Musik der späten 60er und frühen 70er des vergangenen Jahrhunderts so stark geprägt wie Isaac Hayes. Das große Buch des Soul hat er um unzählige Einträge erweitert, kurz darauf die Revolutionierung desselben eingeleitet und nicht zuletzt durch seinen Hang zum produktionstechnischen Experiment und zur opulenten Orchestrierung Genres wie Disco und Rap mitgeprägt.

 

Anlässlich des Todes des 65-jährigen Künstlers, der nach Angaben der Polizei vergangenen Sonntag von Familienangehörigen in seinem Haus in Memphis, Tennessee, neben einem Fitness-Laufband aufgefunden worden war, meinte Collin Stanback aus der Geschäftsleitung von Stax Records: "Wenn man an Soul Music denkt, denkt man an Isaac Hayes - der Ausdruck, der Sound und die Kreativität, die damit verbunden sind."

Hayes wurde 1942 in Covington im Bundesstaat Tennessee in ärmliche Verhältnisse geboren und von seinen Großeltern großgezogen. Die ersten musikalischen Gehversuche machte er im Gospelchor, an den Instrumenten erwies er sich als talentierter Autodidakt: Schon früh brachte er sich selbst Klavier, Saxofon und Orgel bei. Nach diversen Gelegenheitsjobs landete Hayes 1964 als Songschreiber bei Stax Records in Memphis - neben Motown in Detroit Epizentrum des Soul. In Zusammenarbeit mit David Porter entstanden so rund 200 Stücke, darunter etliche Klassiker für verschiedenste Interpreten, etwa Hold On, I'm Coming, Soul Man oder When Something Is Wrong With My Baby.

1969 sollte das Jahr der Wende werden, einer der seltenen Momente, in denen sich großes künstlerisches Wagnis und kommerzieller Erfolg die Hände reichen. Nach dem ersten, gefloppten Soloalbum stand Hayes kurz davor, wieder im Hintergrund zu verschwinden. Über einige Umwege konnte das Album Hot Buttered Soul dennoch erscheinen - ein Stück Musik, das mit "Meilenstein" nur angemessen beschrieben ist: eine Platte mit nur vier zwischen fünf und achtzehn Minuten pendelnden Stücken, die sich damaligen Pop-Hörgewohnheiten widersetzten.

Der sonore Sprechgesang, die Wah-Wah-Gitarren und vor allem die üppigen Streicher- und Bläserarrangements sollten die Formenlehre des Soul, des R&B und der Popmusik generell umkrempeln. Seinen kommerziellen Zenit erreichte Hayes dann 1971 mit dem Soundtrack für den prägendsten aller Blaxploitation-Filme, Shaft. Der Titelsong wurde mit dem Oskar ausgezeichnet. Im selben Jahr erschien das ebenfalls wegweisende Album Black Moses. In Folge war Hayes bis zuletzt als Musiker, Produzent und Schauspieler vor und hinter den Kulissen aktiv, auch sein ikonografisches Auftreten - mit rasiertem Schädel, Vollbart, Sonnenbrille, schwerem Klunker - blieb dabei stets ins allgemeine Bewusstsein eingebrannt.

In den letzten Jahren setzte er sich verstärkt als Bürgerrechtler und für Scientology ein. Späten Ruhm bei einer jüngeren Generation bescherte ihm die Rolle des "Chef" in der Serie South Park - wiewohl seine Bedeutung für das Hier und Heute im HipHop, wo sein Oeuvre gerne als Goldgrube an Samples begriffen wird, sicherlich sinnvoller nachgeprüft werden kann. (Philipp L'Heritier, DER STANDARD/Printausgabe, 12.08.2008)

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    Stilbildend in seinem Auftreten und seiner Musik: Isaac Hayes, Soulkomponist, -interpret und Schauspieler.

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