"Die Leute reden nicht mehr darüber"

10. August 2008, 21:50
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Das Haus ist noch immer polizeilich versiegelt - Das Gebäude gehört nach wie vor Josef F. Es kursieren Gerüchte, wonach er es verkaufen wolle

Amstetten - Eissorten, Urlaubserlebnisse und Neuigkeiten über Bekannte. Darüber reden die Leute in der Fußgängerzone der 23.000-Einwohner-Stadt Amstetten an einem sonnigen Wochenendtag beim Spazierengehen. Und der Fall F., über den bereits erste Bücher erscheinen, ist kein Thema mehr? "Bei uns nicht", sagt eine Pensionistin. Eine Kellnerin erzählt: "Darüber wird überhaupt gar nichts mehr gesprochen. Ich glaube, jetzt warten alle die Verhandlung ab", sagt sie. Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze bestätigt: "Die Leute reden nicht mehr darüber." Medienanfragen an ihn kämen dagegen sehr wohl noch oft.

Journalisten

In der Straße, wo das Haus der Familie F. steht und sich im April dutzende Übertragungswagen aneinanderreihten, parken jetzt nur ein paar Pkws. Die Vorgärten rundherum sind wie leergefegt, kein Mensch ist auf der Straße. Vor dreieinhalb Monaten drängten sich die Journalisten um die Nachbarn der Familie F., Fernsehteams mieteten sich auf Balkons ein, alte Klassenfotos wurden um tausende Euros verscherbelt.

Versiegelte Tür

Die Eingangstüre zu dem Haus, in dessen Keller Elisabeth F. von ihrem Vater vergewaltigt wurde und sieben Kinder zur Welt brachte, ist noch immer polizeilich versiegelt. Am Garagentor hängt ein Schild mit der Aufschrift "Betreten verboten. Alarmgesichert". Die hofseitigen Fenster sind mit Tüchern und Schaumstoff verhängt. An der Straßenseite sind ein paar Fenster gekippt. Fensterbilder zeugen von den Tagen, an denen nach außen hin alles normal schien. Das Gebäude gehört nach wie vor Josef F. Es kursieren Gerüchte, wonach er es verkaufen wolle. Bestätigen wollen dies weder Lenze noch der Opferanwalt Christoph Herbst.

Ende September soll die Anklage gegen den 73-Jährigen, die auch auf Sklaverei lauten könnte, stehen. Der Prozess könnte noch im Winter starten.

Den Opfern geht es laut Herbst "gut". "Das ist die Hauptsache", meint Lenze. "Sie sollen zur Ruhe kommen." (Gudrun Springer/ DER STANDARD Printausgabe 11.8.2008)

 

 

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