Frank Elder, ehemals Polizist und geschieden, hat sich in ein einsames Steinhaus in Cornwall zurückgezogen. Seine einsiedlerische Ruhe wird durch den Anruf seiner Ex gestört, die ihn bittet, nach der verschwundenen Schwester einer Freundin zu suchen. Elders hat wenig Neigung, in die Zivilisation zurückzukehren, wäre damit nicht die Möglichkeit verbunden, seine Tochter zu treffen. Elders Kollegen haben noch nicht viel unternommen, denn Claire, eine ehrbare und etwas verklemmt scheinende Witwe ist schließlich erwachsen und niemandem Rechenschaft über ihren Aufenthalt schuldig. Immerhin findet Elder bald heraus, dass Claire übers Internet Männerbekanntschaften gesucht und gefunden hat. Claire taucht nach wochenlanger Abwesenheit wieder auf.
Allerdings als Leiche. Ordentlich zurechtgemacht liegt sie in ihrem Schlafzimmer, und diese seltsame Inszenierung erinnert Elder an einen alten Fall, den er nie aufklären konnte. Er bleibt also bei seinen früheren Kollegen und folgt seiner Intuition. John Harvey liefert dem Leser vage Anhaltspunkte für ein Motiv, indem er in einer Rückschau die Sitzungen einer Schulpsychologin mit einem aggressiven, verschlossenen Schüler schildert. Ein bequemer Tatverdächtiger bietet sich in der Person eines geistig Zurückgebliebenen an, der Prostituierte belästigt, bloß glaubt Elder nicht an diese Version. Harvey zeigt Talent für makabre Höhepunkte und einen kompakten Erzählverlauf. Passt bestens als Urlaubsbegleiter. (Ingeborg Sperl, ALBUM DER STANDARD/Printausgabe, 09.08.2008)
John Harvey, "Schlaf nicht zu lange". Deutsch: Sophie Kreutzfeldt. € 9,20 / 432 Seiten. dtv, München 2008
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