Russland mobilisiert Schwarzmeerflotte

10. August 2008, 18:18
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Nach den Kämpfen in Südossetien bahnt sich die nächste Auseinandersetzung in Abchasien an - Auch die Ukraine hat bereits Stellung bezogen

Aus einem regionalen Konflikt droht ein Flächenbrand zu werden.

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Im Konflikt zwischen Russland und Georgien rund um die Kaukasusrepublik Südossetien droht nun die Eröffnung einer zweiten Front. Russland hat Teile der Schwarzmeerflotte unter der Führung seines Flaggschiffes, des Raketenkreuzers Moskau, vor dem abchasischen Hafen Otscham-tschira in Stellung gebracht. Damit soll laut Interfax verhindert werden, dass Waffenlieferungen nach Georgien gelangen. Die Anwesenheit der Schwarzmeerflotte vor der Küste Abchasiens sei notwendig, um Abchasien vor einer Situation wie in Südossetien zu bewahren, sagte Grigori Karasin, stellvertretender Außenminister Russlands, in einer von Ria Nowosti organisierten Pressekonferenz.

Es wird befürchtet, dass sich der Konflikt auf Abchasien ausweiten könnte. Der Präsident der nicht anerkannten Republik, Sergej Bagapsch, bestätigte am Sonntag, dass die abchasische Regierung ihre Reservisten mobilisiere, und verhängte für zehn Tage das Kriegsrecht über Abchasien. Die Armee habe 1000 Soldaten in die strategisch wichtige Kodori-Schlucht geschickt.

Auch die wie Georgien westlich orientierte Ukraine hat sich bereits in den Konflikt im Südkaukasus eingemischt. Die Ukraine, auf deren Territorium die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, drohte Moskau mit der Sperre ukrainischer Häfen für russische Kriegsschiffe, falls sich die Schwarzmeerflotte an den Kämpfen im Kaukasus beteilige.

Zuvor war Georgien einer der Forderungen Russlands nachgekommen und hatte mit dem Abzug seiner Truppen aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali begonnen. Unklar blieb jedoch, ob es sich nicht nur um einen vorübergehenden Rückzug handelte. Während der georgische Sicherheits-chef Alexander Lomaja den Abzug aller georgischen Truppen bestätigte, sagte der georgische Wiedervereinigungsminister Temur Jakobschwili, dass die georgischen Soldaten nur andere Positionen bezögen, aber in Südossetien blieben.

Georgien wirft Russland vor, am Wochenende 15 Städte bombardiert zu haben, darunter auch Orte fernab der Krisenregion. So sollen russische Flugzeuge versucht haben, die für Europa wichtige Baku-Ceyhan-Öl-Pipeline zu treffen. Unter russischen Beschuss geriet auch ein Militärlandeplatz zwölf Kilometer von der georgischen Hauptstadt Tiflis entfernt.

Währenddessen droht in Zchinwali eine humanitäre Katastrophe. Die stark zerstörte Stadt ist von der Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln vollkommen abgeschnitten. Das russische Fernsehen zeigte Bilder von zerbombten Häusern, ausgebrannten Panzern, weinenden Müttern und Verletzten in Kellerverstecken. Mehr als 34.000 Flüchtlinge und damit rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung Südossetiens sollen das Krisengebiet bereits Richtung Russland verlassen haben.

Südossetische Behörden sprechen von mehr als 2000 Todesopfern. Darunter sollen auch zwölf Angehörige der russischen Friedenstruppe sein. Georgien bestätigte 92 Todesopfer. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

 

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