Kühler Herbst für Italiens Mode

10. August 2008, 18:26
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2008 wird kein gutes Jahr für Italiens Modebranche: In der Wirtschaftskrise ist Chic nicht mehr so gefragt, und der Export ist aufgrund des teuren Euros bedroht

2008 wird kein gutes Jahr für Italiens Modebranche: In der Wirtschaftskrise ist Chic nicht mehr so gefragt, und der Export ist aufgrund des teuren Euros bedroht. Luxusmarken tun sich schwer, neues Kapital zu finden.

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Mailand - Die allgemeine Konsumkrise tangiert auch die Modebranche, das Modeland Italien rüstet sich demnach für einen schwierigen Herbst. Lediglich das Luxussegment wächst noch. Allerdings hat sich auch hier die Wachstumsdynamik verlangsamt. Die Unternehmen suchen nicht nur nach frischem Kapital für ihre Expansion, sondern auch nach neuen Strategien. Der 72-jährige Mailänder Modedesigner Giorgio Armani überlegt derzeit auf seiner Yacht in Malta, wie er die Stagnation überwinden könnte. Er beabsichtigt, in den kommenden Monaten eine neue Dessouswaren-Kollektion für den US-Markt zu entwerfen.

Italiens Modekonsum erreichte im Frühjahr einen historischen Tiefpunkt, belegt eine Studie des Branchenverbands Camera Nazionale della Moda Italiana (CNMI). Heuer werden die Italiener durchschnittlich 40 Prozent weniger für Mode ausgeben, prognostiziert der Einzelhandelsverband Confesercenti. Gleichzeitig bewirkt der teure Euro, dass "Made in Italy" auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt an Attraktivität verliert. Nur dank des Nachfragebooms in Russland wird Italiens Modeexport auch 2008 noch leicht zulegen.

Modemarken, die auch auf Lederwaren diversifizierten, profitieren von der in diesem Bereich noch günstigen Nachfrage. Das trifft für die Mariella Burani Fashion Group (MBFG) zu. Lederwaren und Accessoires machten 2007 bereits 45 Prozent des MBFG-Umsatzes aus. Bis 2010 soll der Anteil auf 60 Prozent steigen.

Auch Kinder- und Sportmode haben noch Wachstumspotenzial. Italiens größter Schuhproduzent Geox will sowohl in der Sportschuh- wie auch bei Sport- und Freizeitbekleidung wachsen.

Im Luxussegment stellt sich hingegen die Frage nach der Finanzierung einer weiteren Expansion. Viele Unternehmen haben Größen erreicht, bei denen es für quantitative Sprünge kräftiger Finanzspritzen bedarf. Mehrere Modehäuser haben ihren Börsengang angekündigt. Allerdings ist nicht sicher, ob der von Modedesigner Prada und vom Florentiner Modehaus Ferragamo für Herbst 2008 angepeilte IPO stattfinden wird. Die prekäre Lage an den Finanzmärkten könnte einen Aufschub auf 2009 bewirken.

Manche Unternehmen streben sogar ein Delisting an. Das gilt etwa für die auf "erschwinglichen Luxus" setzende MBFG. Die Gründerfamilie Burani plant ein Übernahmeangebot für einen Teil oder alle ausstehenden Aktien.

Ausverkauf an Privatkapital

Der seit einigen Jahren anhaltende Trend zum Verkauf an Private-Equity-Gesellschaften könnte sich darum in Zukunft noch weiter verstärken. Diesen Weg schlugen erst kürzlich der Dessous-Hersteller La Perla und die Sportmarke, Moncler und Fila ein.

Auch der Modedesigner Roberto Cavalli strebte ursprünglich einen Verkauf an eine private Kapitalgesellschaft an. Er steht, wie viele Größen der Branche wie Giorgio Armani, vor der Schwierigkeit, einen Nachfolger für sich zu finden. Cavalli machte allerdings einen Rückzieher. Die drei Private-Equity-Gesellschaften, die in die Endrunde kamen, boten einen zu niedrigen Preis. Vorerst wird er daher sein Modeimperium selbst weiterführen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

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    Die prekäre wirtschaftliche Lage wirft ihren Schatten auch auf Italiens Modemarken wie Giorgio Armani. Die Unternehmen suchen Geld für neue Strategien, und ihre Gründer suchen Nachfolger.

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