Ökothemen als Wahlkampfschlager

10. August 2008, 16:55
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Angesichts des Klimawandels und teuren Benzins müssen Obama und McCain zu Umweltfragen Stellung beziehen

Washington - Die Zeiten, da George Bush der Ältere den Umweltpionier Al Gore zum Beifall des Publikums als „Ozon-Mann" verspotten konnte, sind endgültig vorbei. Ökologische Themen rangieren auch in Amerika nicht mehr im hinteren Feld. Die Mehrheit der US-Bürger wünscht sich einen Präsidenten, der den Klimawandel ernst nimmt. Auf einer vom Washingtoner Pew Research Center veröffentlichten Prioritätenskala rangiert die Sorge über steigende Benzinpreise, verbunden mit dem Wunsch nach einer klügeren Energiepolitik, an zweiter Stelle hinter der Wirtschaft, noch vor dem Krieg im Irak. Kein Wunder, dass beide Präsidentschaftskandidaten einen ausführlicheren Katalog zum Bereich Umwelt/Energie vorlegten:

Klimawandel

Barack Obama will den Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Im Rahmen der UNO, die er als wichtigstes Klimaforum ansieht, will er wieder konstruktiv kooperieren - was bedeuten kann, Nachfolgeregelungen des von Washington nicht ratifizierten Kioto-Protokolls beizutreten.
McCain verfolgt einen Stufenplan. Bis 2020 will er die Kohlendioxidemissionen gegenüber den 1990er-Werten um 15 Prozent reduzieren, bis 2030 um 22 Prozent, bis 2050 um 60 Prozent. Ähnlich wie Obama stellt er Marktmechanismen in den Mittelpunkt, etwa eine - im Ansatz in Chicago bereits vorhandene - Börse für den Emissionshandel, die es auszubauen gelte.

Energie

Obama nennt als Ziel, bis 2025 ein Viertel des gesamten US-Stroms aus alternativen Energiequellen zu erzeugen. Zu diesem Zweck will er in den nächsten zehn Jahren 150 Milliarden Dollar investieren.
McCain will jedes Jahr zwei Milliarden Dollar in „Clean Coal" fließen lassen, die Erforschung umweltfreundlicher Technologien der Kohleverbrennung.

Atomkraft

Obama hat sich noch nicht festgelegt, er lässt sich alle Optionen offen. Nuklearenergie, betont er, sei „kein Allheilmittel", um Engpässe zu überwinden. Gleichwohl lohne es sich, in das Know-how zu investieren.
McCain plant bis 2030 den Bau von 45, über diese Zeitspanne hinaus von 100 zusätzlichen Kernkraftwerken. Da Länder wie China, Indien und Russland die Atomkraft in großem Stil nutzen wollten, dürfe Amerika nicht zurückstehen.

Sparen

Beide Kandidaten haben Spritschluckern den Kampf angesagt. Obama will den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch amerikanischer Fahrzeuge bis 2026 _halbieren. Einheimischen Autobauern will er durch Steuervergünstigungen helfen, im Wett_bewerb mit der internationalen Konkurrenz zu bestehen (derzeit verdrängen die sparsamen japanischen Marken US-Modelle rasant vom Markt).
McCain denkt auch an steuerliche Anreize, um Hersteller zum Bau und Käufer zum Erwerb kleinerer Pkws zu motivieren. Wer als Erster ein batteriegetriebenes Automobil auf den Markt bringt, das billig und praktisch genug ist, um in großem Stil gefahren zu werden, soll 300 Mio. Dollar als Prämie kassieren.

Ölförderung

Ein heftiger Streit um Offshore-Bohrtürme hat die Wahldebatten des Sommers mitgeprägt. McCain will ein 1982 vom Kongress beschlossenes Moratorium aufheben. Demnach ist es verboten, im Küstenschelf der USA Öl und Gas zu gewinnen (Ausnahmen: der Westabschnitt des Golfs von Mexiko sowie Teile der arktischen Gewässer vor Alaska).
Obama lehnte den Plan anfangs ab. Neuerdings hat der Demokrat sein Nein relativiert. Übergangsweise, so lange, bis alternative Energien Fuß gefasst haben, will er eine geografische Ausdehnung der Förderung im Schelf erlauben. (fh, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

 

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