Saakaschwili: Moskau will meine Regierung stürzen

11. August 2008, 21:05
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Präsident zieht Vergleich mit Einmarsch in Prag 1968

"Es tut mir leid, wir müssen in die Bunker. Russische Maschinen sind über dem Präsidentenpalast" , sagt Michail Saakaschwili. Er klingt müde, es ist der vierte Kriegstag in Georgien, und der Staatschef hat eine knappe halbe Stunde erklärt, wie gut vorbereitet in Wahrheit die russische Invasion gegen sein Land sei. Er hat an den Einmarsch der Sowjets in Prag 1968 erinnert und den Sturz seiner Regierung als eigentliches Ziel Moskaus bezeichnet. Dann tauchten gleichsam als Bestätigung wieder russische Jets am Himmel über Tiflis auf.

Saakaschwili gebraucht harte Worte gegenüber Russland in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Montag und weicht doch Fragen aus, ob er sich nicht verrechnet hatte, als er nach wochenlangen Provokationen den Angriff auf die südossetischen Separatisten befahl. Er habe immer bedauert, dass seine Regierung in den vergangenen Jahren einen so großen Teil ihres Budgets für Verteidigungsausgaben aufwenden musste, erklärte Saakaschwili - "jetzt bedaure ich, dass wir nicht mehr ausgegeben haben" . Tiflis plante zuletzt 5,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts oder umgerechnet 519Millionen Euro für den Verteidigungshaushalt 2008 ein.

Saakaschwili berichtete am Montag auch über einen angeblichen Angriff der russischen Armee auf die Stadt Gori an der Hauptverkehrsroute des Landes vom Osten zur Schwarzmeerküste, am Rand der südossetischen Konfliktzone und knapp eine Fahrtstunde von der Hauptstadt Tiflis entfernt. Die georgischen Einheiten hätten den Angriff abgewehrt, und die Russen hätten sich etwa 20 Kilometer weit von der Stadt zurückgezogen.

Wäre den Russen die Eroberung Goris gelungen, wären sie nun auf dem Marsch nach Tiflis, behauptete Saakaschwili. Montagabend war es dann so weit: Nach georgischer Darstellung nahmen die Russen Gori ein und rückten angeblich auf die Hauptstadt vor. Russland habe einen Großteil des georgischen Territoriums besetzt, erklärte Saakaschwili und bat erstmals um militärische Unterstützung durch den Westen. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2008)

 

 

 

  • Saakaschwili (re.) und Frankreichs Außenminister Kouchner auf Erkundungstour in Gori. Die Russen hatten die Stadt bombardiert.
    Foto: AP

    Saakaschwili (re.) und Frankreichs Außenminister Kouchner auf Erkundungstour in Gori. Die Russen hatten die Stadt bombardiert.

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