Hundertzweite Etappe, Sanetsch-Sion

10. August 2008, 17:00
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Warum Autor Martin Prinz so lange nichts von sich hat hören lassen und was eine schwitzende Postfrau und die Swisscom damit zu tun haben

Die Frau in der Post von Scuol schwitzte. Ich konnte ihr es nicht verübeln. Genau so wenig wie ich wegen ihres Schwitzens hätte annehmen können, dass sie mich noch wochenlang verfolgen würde. Denn auch ich hatte, als ich an diesem 1. Juli vor ihrem Schalter wartete, geschwitzt. Und viel anders wäre es an diesem schwülen Tag auch ohne die Extrarunde nicht gewesen, auf die ich von der Touristoffice für meine Schweizer SIM zu einem Elektrohändler am anderen Ende des Orts geschickt worden war, während die Post, der größte Vertragspartner der Swisscom, im selben Gebäude lag. Zudem brachte mich auf dieser Reise ohnedies jede Transaktion, die mit dem - in jedem Land zur Minimierung der Roaming-, vor allem der Daten-Roaming-Kosten - Wechsel der SIM-Karten zu tun hatte, ins Schwitzen.

Die Transaktion verlief dann ganz normal. Ich füllte ein Formular aus, unterschrieb es und bezahlte ein Wertkartenpaket, das allein aufgrund der später darin entdeckten CD-Rom weit voluminöser als in den bisherigen Ländern war. Ein, zwei Tage, so meinte die immer noch schwitzende Frau mit dem Formular in der Hand, würde es dauern, bis die Nummer, nachdem sie das Formular an die Swisscom gefaxt habe, freigeschaltet sei. Das schien mir zwar länger als bislang, war mir im Grunde aber egal, sollte ich doch schon am nächsten Tag wieder in Italien sein.


Wenn digital versagt, bleibt immer noch die analoge Aufzeichnung.
Foto: Martin Prinz

Nach der Passage über das Stilfser Joch und über die Bergdörfer Arnoga, Eita ins Valtellina hinaus, kam ich in Poschiavo wieder in die Schweiz. Doch mein Handy ging nicht, obwohl der Sim-Karten-Kauf bereits knapp eine Woche her war. Die Schweiz begann mich zu überraschen. Womöglich aber, dachte ich mir, bekommt man eben gerade in der Schweiz längst nichts mehr geschenkt und kaufte an einem Kiosk ein erstes Auflade-Guthaben. Nur leider ließ sich mein Handy auch nicht aufladen. Ich war verzagt. So etwas verzagt mich immer. Und als erste Reaktion unternehme ich dann meistens nichts. Auch diesmal, nur dauerte das nur diesmal nur ein paar Tage, bis ich am 14. Juli Maloja erreichte. Schließlich war mir klar, wie viel Geld jedes Telefonat, jedes E-Mail kostete, gar nicht zu reden von Attachements von Texten und Bildern.

Das Fax sei nicht gekommen, sagte mir eine freundliche junge Frau im Swisscom-Callcenter, doch sie würde gleich bei der Post in Scuol anrufen und mich informieren, sobald es geregelt sei. Am nächsten Tag hatte ich zumeist keinen Empfang, denn ich ging über zwei hohe Pässe nach Juf, der höchst gelegenen Dauersiedlung Europas. Dort hatte ich dann aber die Stimme der freundlichen jungen Frau in meiner Box, die mir mitteilte, dass das Fax nun abgeschickt sei, es aber eben noch ein, zwei Tage bis zur Freischaltung dauern könne.

Von Juf ging ich nach Innerferrera, und war am nächsten Tag in Isola, wieder in Italien. Am Tag darauf, am San Bernardino, funktionierte die schweizer Nummer immer noch nicht. Und kurz überlegte ich sogar, es einfach sein zu lassen, doch sollte der Weblog bald wieder mit Text und Bild beliefert werden, der Regisseur meiner Roman-Verfilmung wollte mir neue Drehbuchskizzen schicken etc., mein Verzagtsein hatte keine Chance. Also wurde ich wütend und rief mithilfe dieses Energieschubs erneut bei der Swisscom an. Diesmal war ein Herr R. am anderen Ende der Leitung ... (Martin Prinz)

(Fortsetzung folgt)

 

 

 

 

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