Putin wirft dem Westen Verdrehung der Tatsachen vor

10. August 2008, 13:15
64 Postings

Beauftragter für Menschenrechte Moskaus fordert internationales Tribunal

Moskau - Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat dem Westen im Krieg um Südossetien eine Verdrehung von Tatsachen vorgeworfen. Der Westen halte den wahren Aggressor im Konflikt um die abtrünnige georgische Region für das Opfer, sagte Putin am Montag. Zudem kritisierte er, dass die USA Georgien dabei helfen, Soldaten aus dem Irak in die Heimat zu transportieren. Russland werde den Einsatz seiner Friedenstruppen in Süd-Ossetien zu einem "logischen Abschluss" bringen, kündigte Putin an.

Putin warf dem Westen Zynismus vor und verglich die georgische Regierung mit dem gestürzten Regime in Bagdad verglichen. Es sei "zynisch", den "eigentlichen Aggressor" Georgien nun als Opfer vermeintlicher russischer Gewalt auszugeben. Den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein habe man einst wegen seiner Verbrechen gegen das eigene Volk hingerichtet, sagte der Regierungschef. Im Gegensatz dazu nehme der Westen die georgische Führung unter Michail Saakaschwili in Schutz, obwohl diese "ossetische Dörfer ausgelöscht" sowie Kinder und ältere Menschen ermordet habe, kritisierte Putin.

USA brachten Irak-Truppen heim

Die USA hätten zur Störung der Lage beigetragen, indem sie bis zu 2000 georgische Elitesoldaten aus dem Irak mit US-Transportmaschinen in den Südkaukasus geflogen hätten, so Putin. Den russischen Waffengang bezeichnete er als eine "Friedensmission". Moskau habe die internationale Gemeinschaft oft vor georgischen Kriegsvorbereitungen gewarnt. "Aber niemand hat uns zugehört. Jetzt ist das Ergebnis da, das wir erwartet haben. Wir werden unsere Friedensmission bis zu ihrer logischen Vollendung durchführen", kündigte Putin an. Die Regierung in Moskau werde den russischen Soldaten, die in die Kampfhandlungen verwickelt seien, den Sold erhöhen, kündigte der Regierungschef an.

Russlands Menschenrechtsbeauftragter Wladimir Lukin hat angesichts der Gewalt in Südossetien die Einberufung eines internationalen Tribunals gefordert. "Die Verantwortlichen müssen vor ein internationales Gericht gebracht werden", sagte Lukin am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Russlands Regierungschef Wladimir Putin hatte nach Gesprächen mit südossetischen Flüchtlingen Georgien vorgeworfen, einen Völkermord in der abtrünnigen Provinz zu verüben.

Zehntausende auf der Flucht

Nach russischen Angaben hat der Konflikt zwischen südossetischen Separatisten und russischen Militärs auf der einen und georgischen Truppen auf der anderen Seite bereits 2000 Menschenleben gefordert. Georgien bestreitet eine derart hohe Opferzahl. 30.000 Menschen aus Südossetien, annähernd die Hälfte der Gesamtbevölkerung, sollen auf der Flucht sein.

Südossetischen Berichten zufolge ist die Hauptstadt Zchinwali weitgehend zerstört. Die Zustände für die Zivilbevölkerung seien katastrophal. Auf den Straßen lägen Leichen, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Mitteilung. Die Behörden kündigten an, die Stadt im Tagesverlauf zu evakuieren. (APA/dpa/Reuters)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wladimir Putin traf am Samstag in Vladikavkaz aus SÜdossetien geflüchtete Zivilisten

Share if you care.