Freenet-Chef Spoerr will Konflikt mit Großaktionären beilegen

10. August 2008, 11:27
posten

"Wir müssen nun Ruhe in das Unternehmen bringen"

Freenet-Chef Eckhard Spoerr will nach der
entscheidenden Hauptversammlung den Konflikt mit den Großinvestoren
beilegen. "Wir müssen nun Ruhe in das Unternehmen bringen und die
Integration von Debitel vorantreiben", sagte Spoerr nach dem
Aktionärstreffen am Freitag in Hamburg der Finanz-Nachrichtenagentur
dpa-AFX. Er werde dazu in den kommenden Tagen das Gespräch mit Ralph
Dommermuth suchen, dem Chef von United Internet. Ziel sei, die
Streitigkeiten zu beenden und das Unternehmen nach vorne zu bringen.

Kritik

Die Anteilseigner hatten sich auf der Hauptversammlung am Freitag
gegen einen Antrag von United Internet und Drillisch ausgesprochen,
wonach der Führung um Spoerr das Vertrauen entzogen werden sollte.
Die Ablehnung fiel mit 64 Prozent der Stimmen allerdings relativ
knapp aus. Drillisch betonte daher, dass sich der Vorstand bewusst
sein müsse, dass ihm viele Aktionäre "sehr kritisch" gegenüberstehe.

Drillisch und United Internet kontrollieren knapp 26 Prozent von
Freenet und wollten den Telefonanbieter kaufen und in eine Handy- und
Festnetz-Sparte zerlegen. Um dies zu verhindern hatte Spoerr den
Mobilfunkanbieter Debitel gekauft, was von den beiden Konkurrenten
scharf kritisiert wurde. Die Aktionärsversammlung hatte sich daher
zum Machtkampf zwischen Spoerr und den Vorständen von United Internet
und Drillisch entwickelt. "Wir die Ergebnisse gezeigt haben, steht
eine Mehrheit der Anteilseigner hinter mir", sagte Spoerr. Bauen
konnte der Manager auf den Finanzinvestor Permira sowie den
Pensionsfonds Hermes, der künftig einen Vertreter in den Aufsichtsrat
entsendet.

"Halten sie Maß"

Wie andere Aktionärs äußerte aber auch Hermes Kritik an der
Freenet-Führung: Unter Verweis auf Spoerrs Gehalt - im vergangenen
Jahr 4,4 Millionen Euro - hatte Hermes-Sprecher Stephan Howaldt
Zurückhaltung bei der Manager-Entlohnung angemahnt: "Halten sie Maß."
Einige Aktionäre hatten zudem eine ihrer Meinung nach fehlende
Transparenz beim milliardenschweren Kauf des Telekomunternehmens
Debitel kritisiert. Die Aktionäre lehnten bei der Versammlung eine
Abwahl von Teilen des Aufsichtsrats ab. Auch eine Sonderprüfung, mit
der die Übernahme von Debitel durchleuchtet werden soll, wird es nach
ihrem Beschluss nicht geben.

Mit einer Fokussierung auf das Handy-Geschäft hatte Spoerr zuvor
für seinen Verbleib an der Spitze geworben. Mit der Übernahme von
Debitel steige Freenet zum drittgrößten Mobilfunkanbieter nach T-
Mobile und Vodafone auf und könne bessere Konditionen bei den
Netzbetreibern erreichen.

Belastung

Die Übernahme wird Freenet bis ins kommende Jahr belasten, wie
Spoerr einräumte. Er stellte zwar einen operativen Gewinn (EBITDA)
von 450 Millionen Euro in Aussicht, allerdings sind dabei nicht die
Kosten für den Konzernumbau eingerechnet. Zuvor hatte er ein Ergebnis
in mindestens dieser Höhe in Aussicht gestellt - von zusätzlichen
Belastungen war dabei nicht die Rede.
(APA/dpa)

 

Links

Freenet
Share if you care.