Strache: Bei Karadzic gilt die Unschuldsvermutung

10. August 2008, 09:47
86 Postings

FPÖ-Chef spricht von "Kniefall" Serbiens vor EU - "EU sollte mehr nach Russland schauen"

Wien - FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache kann nach eigener Aussage die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic "nur schwer beurteilen". In einem Interview mit dem Wochenmagazin "profil" sagt Strache auf die Frage, warum er zum Fall des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten bisher "auffällig geschwiegen" habe: "Offenbar konnte sich Herr Karadzic bisher sehr frei bewegen, und erst jetzt hat sich Serbien in einem Kniefall vor der EU entschieden, ihn auszuliefern. Das zeigt schon, welch Geistes Kind hier am Werk war."

Zu den von den UNO-Anklägern erhobenen Vorwürfen, die Karadzic für Massaker und Genozid verantwortlich machen, meinte der FPÖ-Chef: "Ich maße mir nicht an, jemanden vorzuverurteilen. Es gilt die Unschuldsvermutung." Er habe die Vorwürfe gegen Karadzic nicht überprüft. "Aber ich verurteile jedes Völkerrechtsverbrechen. Solange es keine Urteile gibt, gilt es abzuwarten, wer verantwortlich ist für die Verbrechen", fügte Strache hinzu.

"EU sollte mehr nach Russland schauen"

Zum Haager Kriegsverbrechertribunal sagte Strache, es mache Sinn, dass Völkerrechtsverbrechen international behandelt würden. "Mich entsetzt nur, dass die Amerikaner den Gerichtshof nicht anerkennen." Das sei "eines der größten Verbrechen" der Bush-Administration. "Es wäre klüger, wenn sich Europa nicht nur an den USA und der Nato orientieren, sondern etwa mehr nach Russland schauen würde." (APA)

 

Share if you care.