Nervosität in Peking nach neuen Attentaten

10. August 2008, 10:29
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Anschläge in Xinjiang, Messerattacke auf US-Touristen, Proteste von Aktivisten - Sicherheitsmaßnahmen erhöht

Mehrere Terroristengruppen haben in Nordwestchinas Unruheprovinz Xinjiang mit einer Serie spektakulärer Bombenanschläge offenbar früher angekündigte Drohungen wahrgemacht, die Olympischen Spiele durch Sabotageakte zu bedrohen, um die Welt auf ihren Kampf gegen die chinesische Oberherrschaft in Xinjiang aufmerksam zu machen. Die neue Attentatsserie ist bereits der zweite große Angriff auf chinesische Amtstellen. Vergangene Woche waren zwei Uiguren mit einem Kipplaster in Kasghar in eine Gruppe unbewaffneter Polizisten gefahren, 16 Beamte starben. Auch diesmal machen die Behörden uigurische Separatisten verantwortlich.

An den Angriffen auf eine Polizeistation und mehrere Regierungsgebäude in der Kreisstadt Kuqa waren mindestens 15 Attentäter beteiligt. Sieben Terroristen und ein Wächter wurden getötet, vier Personen wurden verletzt.

Die Bombenanschläge lösten Besorgnis in Peking aus, wo die Sicherheitsbehörden und die Olympiaorganisatoren zu Krisensitzungen zusammenkamen. Der für die Olympischen Spiele zuständige Bococ-Vizechef Wang Wei sagte, er glaube nicht an eine direkte Verbindung zu den Spielen. Dennoch würden die Sicherheitsvorkehrungen in Peking verschärft.

Viel scheinen die extremen Kontrollen durch 110.000 Polizisten allerdings nicht zu bewirken. Am Samstag gelang es fünf Tibet-Aktivisten, darunter dem Deutschen David Demes, auf dem Tiananmen-Platz für das Ende der Unterdrückung der Tibeter zu demonstrieren, indem sich drei der fünf in eine tibetische Fahne einrollten. Die überraschte Polizei setzte sie fest und schob sie Samstag Nacht noch nach Hongkong ab. Zuvor hatten zwei weitere Tibet-Protestgruppen mit sieben Aktivisten ähnliche Aktionen unternommen.

Die überall präsente Pekinger Polizei konnte auch nicht den tragischen Tod des 47-jährigen US-Amerikaner Todd Bachmann verhindern, der von einem offenbaren chinesischen Amokläufer in Peking erstochen wurde. Der Vorfall überschattete das Treffen von Chinas Staatschef Hu Jintao mit US-Präsidenten George W. Bush, der zu die Olympischen Spielen nach Peking kam. Hu äußerte seine Bestürzung über den "unglücklichen Vorfall". Bachmann und seine Frau - Schwiegereltern des Trainers der US-Volleyballmannschaft - hatten am Samstag den Trommelturm in Peking besucht, als sie und ihre Dolmetscherin von einem 47-Jährigen angefallen und niedergestochen wurden. Der als Tang Yongming identifizierte arbeitslose Täter floh nach der Tat auf den Turm und beging Selbstmord.(Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

 

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein bei einer Bombenexplosion zerstörter Markt in Kuqa.

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