Österreicher verlassen Georgien

9. August 2008, 19:56
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Ausreise meist über Türkei oder Armenien - Kein Uefa-Cup-Spiel der Austria in Tiflis

Im heimischen Außenministerium ist man angesichts der Situation in Georgien froh über die EU. "Die Zusammenarbeit mit den Botschaften unserer Partner hat ganz hervorragend funktioniert", konstatiert Harald Stranzl, Sprecher des Außenressorts, am Sonntag gegenüber dem Standard. Da Österreich keine eigene Vertretung in dem Kaukasusstaat hat, unterstützen deutsche und französische Diplomaten vor Ort.

Mit mindestens 30 Österreichern sei man seit Kriegsausbruch in Kontakt gewesen, in unmittelbarer Gefahr befinde sich niemand, auch Verletzte gibt es nicht. Man habe den Menschen geraten, das Land zu verlassen, was die Mehrheit, darunter eine Gruppe von Bergsteigern, bereits beherzigt hat. Die Ausreise erfolgt meist auf dem Landweg mit Pkw oder Zug in die Türkei und Armenien, von dort gibt es Flüge zurück nach Österreich. Sonntagmittag landete auch eine Maschine der Georgia Air mit einigen Österreichern an Bord in Wien. Die österreichische Botschafterin in der Türkei, Heidemaria Gürer, sei mittlerweile in der türkischen Schwarzmeerregion Trabzon, um im Bedarfsfall Hilfe anbieten zu können.

Schon seit Freitag gibt es eine Reisewarnung des Außenministeriums, die für Reisende von Bedeutung ist. Etwa die knapp 50 Fans des Fußballclubs Austria Wien, die sich auf das Uefa-Cup-Hinspiels ihres Vereins gegen FC Wit Georgia in Tiflis gefreut haben. Sie können den Flug dank der Reisewarnung wohl kostenlos stornieren. Oder umbuchen, schließlich wird in Tiflis ganz sicher nicht gespielt. Der georgische Klub plant offenbar, das Match in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku auszutragen.

Österreicher äußerten sich auch politisch zu den Vorgängen. In Wien demonstrierten Sonntagmittag rund 200 Menschen friedlich vor der russischen Botschaft und skandierten Slogans wie "Wir wollen kein zweites Tschetschenien". Für Montag ist ein Demonstrationszug vom Heldenplatz zu der Vertretung Russlands geplant. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

 

 

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