Gesucht: "soft" mit "hard"

11. August 2008, 16:38
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Bildungsabschlüsse ent- falten ihren Wert nur in Kombi mit 'weichen' Kom- petenzen - umgekehrt reichen 'Soft-Skills' alleine nicht aus - Eine Studie untersuchte die Zusammenhänge genauer

Es gibt kaum Stellenausschreibungen, in denen Soft-Skills - wie Verlässlichkeit, Teamfähigkeit oder Kommunikationsstärke - als wichtige Bestandteile eines Anforderungsprofils fehlen. Das ist das Ergebnis einer vom AMS-Österreich in Auftrag gegebenen Studie des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft). Auf breiter empirischer Basis wurde untersucht, welche Rolle "weiche Kompetenzen" für die berufliche Tätigkeit und im Speziellen bei der Auswahl neuer Mitarbeiter haben.

Bedeutungszunahme der Soft-Skills

Besonders Team-, Kooperations- sowie Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit eigenverantwortlich zu arbeiten und unternehmerisches Denken und Motivation wurden in den vergangenen fünf bis zehn Jahren verstärkt von neuen Mitarbeitern erwartet. Auch Flexibilität, gutes Auftreten sowie Kundenorientierung wurden ein immer wichtigeres Auswahlkriterium im Rekrutierungsprozess. Auch für die Zukunft gehen Unternehmen davon aus, dass außerfachliche Kompetenzen sowohl für das berufliche Tätigkeitsportfolio als auch bei der Mitarbeiterauswahl weiter an Bedeutung zulegen werden.

Fachkenntnisse nicht unwichtiger


"Den Bedeutungsanstieg der Soft-Skills als "Niedergang" der fachlichen Qualifikationen zu deuten, wäre ein grundlegendes Missverständnis", schreiben die Autoren der Studie, Kurt Schmid und Helmut Hafner. Nur: Fachliche Qualifikation alleine genüge nicht mehr für ein erfolgreiches Stellenmatching. Die verschiedenen Berufe unterscheiden sich natürlich hinsichtlich ihrer Soft-Skills-Anforderungen.

Von der Diposition zur Realität

Ein interessantes Detail der Studie: Seitens der Befragten werden Soft-Skills zumeist als persönliche Dispositionen gesehen. Durch Tests sind sie naturgemäß schwer zu validieren. „Inwieweit diese Dispositionen tatsächlich als Kompetenzen in Erscheinung treten, hängt von der jeweiligen Biographie und jenen (sozialen, ökonomischen u.ä.) Handlungsmöglichkeiten ab, die von einem Individuum als solche erkannt und ergriffen werden (können)", heißt es in dem Studienbericht.

Grenzen der Erlernbarkeit

Soft-Skills können nur bis zu einem gewissen Grad durch Coaching oder Kurse erlernt werden. Unternehmen schätzen hauptsächlich anhand des persönlichen Eindrucks beim Bewerbungsgespräch ab, ob der Bewerber über die für den Beruf erforderlichen Soft-Skills verfügt. Nur in wenigen Unternehmen kommen auch spezifische Testverfahren, Potenzialanalysen beziehungsweise Assessment-Center Prozeduren zum Einsatz.

Erwartete Fremdsprachenkenntnisse

Laut der Studie gilt Englisch immer noch als „lingua franca" und wird in fast allen Berufen benötigt - in vielen Berufen werden exzellente bis gute Englischkenntnisse erwartet werden.
Überraschend: Andere Fremdsprachenkenntnisse werden dagegen deutlich weniger erwartet - einige sogar überhaupt nicht (zB. osteuropäische Sprachen, Türkisch). Die besten Englischkenntnisse werden tendenziell in Berufen auf Akademikerniveau vorausgesetzt. Aber selbst bei den Hilfs- und Anlernberufen werden oftmals gute Englischkenntnisse erwartet.

Konsequenzen für Bewerber

Menschen auf Jobsuche sollten daher in einer Bewerbungssituation immer drei Aspekte beachten, raten die Studienautoren:

  • Anforderungen, die immer von großer Bedeutung sind: Arbeitsmotivation, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Teamfähig-keit, psychische Belastbarkeit /Stressresistenz sowie Lern- und Flexibilitätsbereitschaft.
  • Anforderungen, die abhängig vom konkreten Beruf bzw. beruflichen Tätigkeitsspektrum sind: zum Beispiel in Berufen mit Kundenkontakten: Kontaktfreudigkeit und Kommunikationsfähigkeit oder in Back-Office Berufen (selbst-)organisiertes Arbeiten.
  • Anforderungen, die sehr stark vom betrieblichen Um-feld sowie vom konkreten beruflichen Einsatzgebiet bestimmt sind: zum Beispiel Projektarbeit, Ausmaß Kundenkontakte in „reinen" Produktionsberufen (Sanitär- & Klimatechniker) - hier sollte man Vorinformationen einholen.

Außerfachliche Kompetenzanforderungen sind zudem seitens des potenziellen Arbeitgebers nur sehr schwer "messbar". Es entscheidet daher stark der persönliche Eindruck. (red)

Link

Der Endbericht ist erschienen als:

Schmid Kurt, Hafner Helmut
"Soft-Skills": Ihre Bedeutung bei der Personalauswahl, -einstellung und -entwicklung:
Erhebung und Analyse von Entscheidungsgrundlagen", ibw-Forschungsbericht Nr. 140, 2008. Gratisdownload pdf

  • Wie bei einem Spiegelei sollte die Mischung des idealen Bewerbers sein: nicht zu "soft" und nicht zu "hard"
    foto:standard/cuhaj

    Wie bei einem Spiegelei sollte die Mischung des idealen Bewerbers sein: nicht zu "soft" und nicht zu "hard"

  • Anteil der Unternehmen, die eine Bedeutungszunahme von Soft-Skills bekundeten (in ausgewählten Einzelberufen)
    grafik: ibw-unternehmens- & expertinnenbefragung 2007/schmid

    Anteil der Unternehmen, die eine Bedeutungszunahme von Soft-Skills bekundeten (in ausgewählten Einzelberufen)

  • Bedeutung von Soft-Skills im Vergleich zu Fachkenntnissen bei der Personalauswahl
    grafik:grafik: ibw-unternehmens- & expertinnenbefragung 2007/schmid

    Bedeutung von Soft-Skills im Vergleich zu Fachkenntnissen bei der Personalauswahl

  • Wie Unternhmen feststellen, ob der Bewerber über die erforderlichen Soft-Skills verfügt
    grafik: ibw-unternehmens- & expertinnenbefragung 2007/schmid

    Wie Unternhmen feststellen, ob der Bewerber über die erforderlichen Soft-Skills verfügt

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