Energie-Transitland Georgien

8. August 2008, 16:07
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Die kaukasischen Pipelines sind für die EU besonders wichtig

Tiflis/Wien - Georgien, in dessen abtrünniger Teilrepublik Südossetien Regierungstruppen gegen die von Russland unterstützten Separatisten kämpfen, ist ein Energie-Transitland. Durch die georgische Hauptstadt Tiflis führen zwei große Pipelines, die Öl und Gas von der Kaspischen See in den Westen bringen. Die Leitungen verlaufen, von Aserbaidschan im Südosten kommend, rund 250 Kilometer durch Georgien in die Türkei im Südwesten. Wie andere Transitstaaten auch muss Georgien die Sicherheit der unterirdischen Pipelines gewährleisten.

Für die Europäische Union sind die beiden Pipelines von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku in die osttürkischen Städte Ceyhan bzw. Erzurum besonders wichtig: Sie reduzieren die Rohstoffabhängigkeit Europas vom Nahen und Mittleren Osten sowie von Russland. Derzeit importiert die EU 28 Prozent ihres Öl- und 29 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland. In der Region um das Kaspische Meer liegen US-Schätzungen die drittgrößten Öl- und Gasreserven weltweit.

Transkaukasus-Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan (BTC): Die von einem Konsortium rund um die britische BP gebaute und 2006 eröffnete BTC-Pipeline kann täglich bis zu eine Million Barrel Rohöl - gut ein Prozent der weltweiten Fördermenge pro Tag - auf die 1.674 Kilometer lange Reise nach Ceyhan am östlichen Mittelmeer schicken. Sie ermöglicht es, Öl aus dem Kaspischen Meer zu beziehen, ohne Russland zu durchqueren. Nach einer Explosion auf türkischem Gebiet in der Nacht auf Mittwoch ist die Lieferung derzeit unterbrochen. Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans PKK bekannte sich zu dem Sabotageakt.

Südkaukasus-Pipeline Baku-Tiflis-Erzurum (BTE): Auch als Shakh-Deniz (Schah Denis)-Pipeline bekannt, bringt die BTE-Leitung seit Ende des Vorjahres Gas vom Shakh Deniz-Feld im Kaspischen Meer nach Ostanatolien. Die Pipeline wird von BP und der norwegischen StatoilHydro betrieben. Über die geplante "Nabucco"-Pipeline, an der die OMV federführend beteiligt ist, könnten künftig Milliarden Kubikmeter Gas unter Umgehung des russischen Territoriums vom Kaukasus nach Europa gelangen. (APA/Reuters)

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