Hauptstadt für den Blaufränkischen

8. August 2008, 15:47
  • Artikelbild
    foto: luzia schrampf
  • Artikelbild
    foto: luzia schrampf

"A kékfrankos fövárosa", Hauptstadt des Blaufränkischen, nennt sich Sopron keck. Denn, so argumentiert man in der Stadt, jedes Land brauche eine Hauptstadt

"A kékfrankos fövárosa", Hauptstadt des Blaufränkischen, nennt sich Sopron keck. Denn, so argumentiert man in der Stadt, jedes Land brauche eine Hauptstadt, auch das Blaufränkischland. Nach der wichtigsten Rebsorte der Region, auf österreichischer wie auch ungarischer Seite der Grenze, nennt sich das Mittelburgenland rund um Deutschkreutz, Horitschon, Neckenmarkt und Lutzmannsburg. Seit Franz Weninger Junior in Balf bei Sopron werkt (er begann 1997) und aus seinen Lagen Spern Steiner und Frettner einen Spitzenwein nach dem anderen herausholt, sollte es doch schön langsam dämmern, welche Möglichkeiten sich in dieser Ecke Ungarns weinmäßig auftun.

Da wäre einmal die Nähe des Neusiedlersee als großen Klimaregulator der Region. In Spern Steiner ist der Boden durchsetzt mit Gneis und Glimmerschiefer, Parabraunerde mit Ablagerungen von verwittertem Grundgestein ist es in Frettner (Weitere Details dazu auf der Weninger-Homepage www.weninger.com). Und „steinig", mehr oder weniger verwittert, in Verbindung mit dem Rebstock hat sich immer als glückliche Zusammenfügung mit einem äußerst schmackhaften Ergebnis erwiesen. Weninger junior lobt die Dynamik, die sich in den letzten Jahren dort ergeben habe. Und es sei noch ausreichend Platz für noch mehr Aktivitäten. „Es macht Spaß, da mittendrin zu sein."

Anlässlich des Ersten Soproner Feuerturmkino stachen zwei junge Soproner Weinbaubetriebe ins Auge, deren Weine eine gute Handschrift zeigen, nämlich Know-How und ein gutes Gefühl für die Proportionen des Gebiets. Luka Enikö, der Vorname steht wie in Ungarn üblich an zweiter Stelle, bewirtschaftet drei Hektar mit ausschließlich Rotwein-Sorten, Pinot Noir, Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt. Seit 2002, nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, arbeitete sie alleine, um das Weingut über die Runden zu bringen und hat dabei Beachtliches geschafft. Ein neuer Keller in Fertörakos wurde kürzlich fertig gestellt. Als die auflagenstärkste ungarische Tageszeitung „Népszabadság" die 100 besten Weine des Jahrgangs 2006 kürte, kamen vier aus der Soproner Gegend, drei davon von Luka Enikö. Cabernet Sauvignon 2006 ist bereits mehr als eine Talentprobe: Er ist dicht, kompakt ohne überkonzentriert zu sein, schmeckt nach dunklen Kirschen, feinsäuerlichen Weichseln und Johannisbeeren, dazu dezentes, schokoartiges Tannin, das zur Zeit noch etwas jugendlich rebellisch ist, aber bereits begonnen hat, den Widerstand aufzugeben, auf dass alles in Harmonie enden werde. Auch Kékfrankos 2006 zeigt beste Anlagen, ist saftig und ausgewogen.

Ebenfalls sehr viel versprechend ist Ferenczy Zsolt aus Sopron. Er ist Sommelier, arbeitete unter anderem im Taubenkobel und im Rusterhof, und wollte, wie er erzählt, „eines Tages als Sommelier einfach alles verstehen". Daraufhin absolvierte er Praktika bei Ernst Triebaumer in Rust, Franz Weninger in Balf und ist derzeit in der Endphase seines Diploms an der Weinakademie Österreich in Rust. Er begann bei Null und baute alles selbst auf, natürlich in Sopron, da das seine Heimat ist. Seit 2003 bewirtschaftet er vier Hektar Weingärten, vorwiegend heimische Sorten, darunter Weißwein wie die duftig-florale, hocharomatische Sorte Irsai Oliver, und Rotweine aus Blaufränkisch, Zweigelt, Sankt Laurent, dazu Pinot Noir und Cabernet Sauvignon. Pannonia Cuvée 2005 ist ein erfreuliches mittelgewichtiges Cuvée mit reifen, angenehmen Fruchtaromen nach saftigen, frischen Weichseln und Kirschen, zarten Minzeanklängen, die sich vor allem in der Nase und durch große Frische am Gaumen darstellen. Auch der mittelkräftige Kékfrankos 2005 zeigt auch eingedenk seiner Lehrmeister, welchen Weg er einschlägt. Wenn man den warmen pannonischen Charakter eines Weines definierten würde, könnte man hier übrigens sehr gut damit beginnen. (Luzia Schrampf)

 

Bezugsquellen Ab Hof:

Luka Enikö, lukawine.com
Ab Hof (nach Terminverabredung)
Kékfrankos 2006       
3500 Forint (ca 14,50 €)
Cabernet Sauvignon 2006
3800 Forint  ( ca 16 €)
Ferenczy Zsolt, pincze.hu

  • Glückliche Fügung [12]

    TitelbildSt. Laurent 2006 von Gernot und Heike Heinrich aus Gols

  • Veni, vidi, Winzer

    Titelbild"Carnuntum Experience": Mit Speck fängt man Mäuse - Und mit Essen und Trinken lockt man Besucher in eine Region, die ansonsten vielleicht links der Autobahn liegen gelassen würde...

  • Hauptstadt für den Blaufränkischen [21]

  • Weine aus dem "Härtetest“

    TitelbildEmpfehlungen aus den österreichischen Salon-Weinen 2008

  • Die Wachau prickelt [8]

    TitelbildSummerwine 1: Riesling-Sekt brut Terrassen 2006 von der Domäne Wachau

  • "Klassische" Österreicher [8]

    Titelbild... mit internationalem Gast - Die erweiterte "Classique"-Serie aus den Hause Pöckl in Mönchhof

  • Renommiertes aus dem Burgenland [7]

    TitelbildDie RWB-Weingüter stellen Mitte Mai in Eisenstadt ihren aktuellen Jahrgang vor

  • Jugend in der Flasche [3]

    TitelbildEs entgeht einem einiges, wenn man Pannobile weiß 2002 von Matthias Leitner aus Gols nicht probiert

  • Vom Feinsten [4]

    TitelbildJohann Donabaum hat eine fulminante Riesling-Serie 2007, die beim Wachauer Weinfrühling am 3. und 4. Mai vorgestellt werden

  • Riberach oder Das doppelte Weinleben [8]

    TitelbildMoritz H., der auszog, um im südfranzösischen Roussillon Urlaub zu machen und als Viertelbesitzer eines Weingartens nach Hause kam

  • "Lauter so Buaschn wia mia ... " [30]

    Titelbild... könnte man im besten Wienerisch über die "Wien Wein"-Winzer sagen, die ihre 2007-er diese Woche der Öffentlichkeit präsentierten

  • Interpretationen von Weinviertel DAC [3]

    TitelbildDer Grüne Veltliner steht bei Petra und Franz Prechtl aus Zellerndorf im Weinviertel im Zentrum

  • Einstieg in die Subtilität [18]

    TitelbildPinot Noir 2004 von Günther Dopler, Thermenregion

  • Der Exote aus dem Weinviertel [2]

    TitelbildGrüner Sylvaner 2007 von Hofbauer Schmidt, Weinviertel

  • Wein-Kunst kommt von Können [6]

    TitelbildKollwentz-Weine generell und der Eichkogel 2004 im Besonderen

  • Edler Stammbaum [16]

    TitelbildDie Weine von Gut Oggau sind echte Typen, die sich aus der Charakteristik der Rebsorten und der Weinbereitung ergeben und deren gemeinsamer Nenner das „Burgenländische“ ist

  • Zwischen Trentino und der Maremma [40]

    TitelbildElisabetta Foradori macht in beiden Gebieten unterschiedliche Weine, deren gemeinsamer Nenner die Eigenständigkeit der jeweiligen Stile ist

  • Burgenland Youngsters von Norden nach Süden... [6]

    TitelbildDrei Highlights aus der Präsentation "Burgenland Jahrgang 2007" am Montag im Museumsquartier zu Wien

  • Inszenierungen der Weinseligkeit [9]

    TitelbildDer Rebensaft spielt in der niederösterreichischen Landespolitik eine tragende Rolle

  • Diven aus dem Süden [25]

    TitelbildPinot Noir und Sankt Laurent Reserve, beide 2005, vom Weingut Auer in Tattendorf

  • Plädoyer für Weißburgunder [67]

    TitelbildWeißburgunder ist eine internationale Sorte und wurde als Underdog-Rebsorte an vielen Plätzen von Chardonnay in den Hintergrund gedrängt. Völlig zu Unrecht

  • Triebaumer, die Zweite ... [30]

    TitelbildDass frische Jungweine nicht unbedingt ein Ablaufdatum innerhalb einer Drei-Monats-Frist haben müssen, zeigt Günter Triebaumers „Weiße Trie“ 2007

  • Frühling vorgezogen [5]

    TitelbildGelber Muskateller 2007 von Günter Triebaumer aus Rust als Sonderabfüllung für die spezerei am Wiener Karmelitermarkt

  • Lieben Sie "klassik"? [3]

    TitelbildZweigelt classic von Philipp Grassl ist typisch für Klassik-Rotweine

  • Ein würdiger Solist [78]

    TitelbildVeltliner-Leben außerhalb von Weinviertel DAC - Grüner Veltliner Goldjoch 2006 von Roman Pfaffl

  • Unter uns Wein-Auskennern ... [69]

    TitelbildLeo Hillingers Pinot Noir 2005 wurde verdeckt probiert und als "erfreulich" und "sortentypisch" beschrieben, mit schöner klassischer rotbeeriger Frucht

  • Underdog hat Oberwasser

    TitelbildRotgipfler Tagelsteiner vom Weingut Stadlmann ist ein äußerst würdiger Repräsentant für die Brillanz der Thermenregionsspezialitäten im Jahrgang 2006

  • Sauvignon Blanc zentriertes Weltbild [16]

    TitelbildEine Rebsorte, drei Weingärten - Sauvignon Blanc Sernauberg, Pfarrweingarten und Kranachberg 2006 vom Sattlerhof in Gamlitz

  • Feiern mit Perlen

    TitelbildMit nichts wird lieber gefeiert, als mit Schaumweinen. Und Winzersekt, der in den letzten Jahren in vielen österreichischen Betrieben zu finden ist

  • Weine vom Nachbarn [3]

    TitelbildOstslowenische Weine sind probierenswert und auch in Österreich zu bekommen

  • Easy drinking auf hohem Niveau [1]

    TitelbildDie Cuvée "Wolfsjäger" aus dem Haus Juris-Stiegelmar ist ein ausgewogener Wein, der auch einen erstklassigen Speisenbegleiter abgiebt

  • Die andere Farbe des Veltliners [12]

    TitelbildRoter Veltliner Alte Reben 2006 von Hofbauer-Schmidt, Weinviertel

  • Vom Koch zum Winzer

    Titelbild12 Hektar verarbeitet Erich Giefing in seinem Weingut in Rust, Rund 85 Prozent davon sind rote Sorten

  • Traminer "rules" [1]

    TitelbildPräzise Frucht und Leichtfüßigkeit charakterisieren die Kracher-Kollektion 2005, Traminer und Muskat Ottonel sind die Stars

  • Alttus 2001

    TitelbildBei einer internationalen Syrah/Shiraz-Verkostung wurde dieser Wein als hervorragend bewertet

  • Ein Wein "wie früher" [1]

    TitelbildBlaufränkisch Horitschon 2006 von Franz Weninger

  • Viel Eisenberg im Glas [7]

    TitelbildWeingut Gerhard Wallner in Deutsch-Schützen, Südburgenland

  • It’s the wine, stupid! [1]

    TitelbildBei allem Getöse um Grundstückskäufe, Grinzing-Rettung und Wirtshauseröffnung geht es bei "Mayer am Pfarrplatz" und im "Roten Haus" doch in erster Linie um Wein

  • Bereit zum Abheben [2]

    TitelbildKarl Alpharts Rotgipfler Rodauner Top Selektion 2005 und 2006

  • Meister des Bodens

    TitelbildWeingut Prager Grüner Veltliner Achleiten 2006 von Toni Bodenstein

  • Rote Pikanz [2]

    TitelbildSilvia Prielers Pinot Noir 2005

  • …alle für einen

    TitelbildDie prächtige Veltliner- und Riesling-Serie vom Undhof-Salomon

Kommentar posten
21 Postings
binkabotanika
00
15.8.2008, 11:08
kecke soproner

daher keckfrankos,
kecker preis!

jumpingjack flash
02
11.8.2008, 23:03

obs ein schlechter oder guter
weiss ich bald durch den computer

http://derstandard.at/?url=/?id... 6918912308

check_and_checkersl
00
12.8.2008, 08:51

"Elektronische Zunge" vom 5. August
war ein dümmerer Vorläufer-Artikel dazu.

enisratdhul
21
10.8.2008, 19:53
Stolzes Praise ob ungarisches Hof!

gib ma dei hand luise
03
12.8.2008, 11:11

Endlich die Wahrheit über den Wein: Florian Holzer, Dr. Markus Groll und Luzia Schrampf decken alles auf, was Sie schon immer über Wein wissen wollten (16,90 bei weinco...).

holzer duldet keinen widerspruch, das sollte ihnen klar sein ;-)))

jumpingjack flash
02
11.8.2008, 22:44
Az túl drága!

stimmt!

Florian Holzer
11
10.8.2008, 23:30

weil der wein von denen da drüben nämlich nur einen nebbich kosten darf, weils ungarn sind, oder was? probier cabernet franc reserve von gere/weninger, von mir aus auch gegen cheval blanc, und spar dir solche chauvi-kommentare.

check_and_checkersl
10
12.8.2008, 17:32
Überteuert bleibt überteuert!

Florian Holzer
00
13.8.2008, 10:38

das ist natürlich ein argument! würd mich aber interessieren: wann ist was "überteuert"?

Michael Holzermayr2
00
17.8.2008, 18:42
Dann z. B.

wenn der Wein aus Ungarn (der sich offenbar an Burgenländer-Preisen orientiert) das doppelte von Südfranzosen kostet.
Oder ist das eine ganz herätische Behauptung?

swami_mitarananda
00
13.8.2008, 11:34
nicht überteuert

sind beispielsweise köstliche Qualitätsweine Sämling 88 ab Hof Südsteiermark zwischen 4,50 und 4,90 Euro die 3/4-l Flasche.

jumpingjack flash
02
13.8.2008, 11:18

wenn verhältnisse preis/leitung oder preis/entstehungskosten extrem sind.
wobei überteuert durchaus berechtigt sein kann - wenn es wen gibt der es kauft - weil genug geld da, weil er unbedingt dieses produkt haben will - um seinen status damit zu untermaueren.

Florian Holzer
10
13.8.2008, 22:48

was wiederum impliziert, dass man entweder über entstehungskosten oder leistung bescheid weiß, im idealfall über beides. unterstellung in richtung check an checkers: weder noch.
das mit dem status ist eine fixe idee von dir, jumping, schon klar. man kann für eine flasche großartigen wein, ein wunderschönes bild oder eine sinn-bereichernde reise auch viel geld ausgeben, weil es einem einfach gefällt/erhellt/schmeckt. status: wurscht.

jumpingjack flash
02
14.8.2008, 09:40

also ich muss zugeben dass ich über die qualität der weine auch nix weiss - wieviele punkte haben die auf der skala bis 100? 88-90 gibts im bereich bis 10€.
88-90 punkte können auch bis 40€ kosten (arachon)
da in österreich ungarische arbeiter bei der ernte die hälfte der österr. bekommen (also 3-3,5€/h) werden es in ungarn nicht mehr sondern eher weniger sein. preisniveau liegt wohl auch unter unserem - 50%?
also die weine müssten mit 14€ ab hof schon supergut sein.
vgl. eine trussardi jean in wien - 100€, in china direkt - 7€.
status: s. auch r.girtler - einladung im dorf: hackler: bier, angestellter wein, arzt, reicher wiener kredenzt champagner - so ist das halt.

doc w
10
23.8.2008, 10:40

jumping,sie irren. der arachon 2005 kostet ca. 20€.

jumpingjack flash
00
25.8.2008, 14:16

ja, im fallstaff hatte er €€€€€ - also zwischen 20 und 40 - aber wohl eher bei den 20€

jumpingjack flash
01
14.8.2008, 09:55

aber ihr "weil es einem einfach gefällt/erhellt/schmeckt" ist in meinem "weil er unbedingt dieses produkt haben will" eh enthalten - natürlich!
es gibt ja die geschichte von dem sndler (clochard) der die flasche rothschild (die soviel wert ist dass er bei verkauf derselben unbeschwert leben könnte) austrinkt.
nur der normalfall ist m.m. nach der status - in der vinothek hier fahren keine rostschüsseln mit hacklern vor um sich guten wein zu kaufen - sondern der wohlsituierte sparsame mittelstand (die reichen kaufen sich das zeug im restaurant)

jumpingjack flash
02
11.8.2008, 22:46

sie wolllen ihr geld lieber in ungarn verdienen? warum? da bekommens doch noch weniger als bei uns.

Eieruhrpokal
00
ödenburger kekfrankos

klingt nicht gut

check_and_checkers
00
Die richtige Übersetzung lautet:

Der Blaufränkische der Hauptstadt

fövaros = (die) Hauptstadt

Maria Lacina
00
nicht wirklich, ...

.. das würde dann "a fováros kékfrankosja" lauten.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.