Kleinkindbetreuung: Fast alle EU-Staaten hinter den Zielen

8. August 2008, 19:19
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Nur skandinavische Länder deutlich über 33 Prozent - Frauen verzichten in Ländern mit guten Einrichtungen weniger oft auf Kinder

Brüssel - Fast alle europäischen Länder hinken bei der Kleinkindbetreuung den EU-Zielen hinterher, auch Österreich. Nur die skandinavischen Staaten, allen voran Dänemark, erreichen schon länger die von der Gemeinschaft für 2010 angepeilte Marke von 33 Prozent der unter Dreijährigen in Kinderkrippen oder anderen Betreuungsplätzen. Im Rest Europas liegt die Quote zwischen zwei und 20 Prozent. "Das Ziel wird bei weitem nicht erreicht werden", räumt die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla am Freitag gegenüber ein. Genauere Zahlen will die Brüsseler Behörde im September präsentieren.

Umfassendes Angebot

Wie aus einer im Vorjahr veröffentlichte Studie der OECD hervorgeht, waren in Dänemark 61,7 Prozent der unter Dreijährigen in öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen, in Schweden 39,5 Prozent. Grund für die hohe Quote ist generell das umfassende Angebot an solchen Diensten. In Dänemark könnte jedoch auch der relativ kurze Mutterschutz eine Rolle spielen. Daten über Kinderbetreuung werden in der EU nicht systematisch erhoben, sind daher nicht immer exakt vergleichbar und je nach Untersuchung unterschiedlich.

Wie die Studie zeigt, ist in den vergangenen Jahren zwar generell die Frauenbeschäftigung gestiegen und die Geburtenrate gesunken. In den Ländern mit der höchsten Zahl von arbeitenden Frauen wie Dänemark, Schweden oder auch Großbritannien (rund 70 Prozent), gab es allerdings auch die höchste Geburtenraten. Auch verzichten in diesen Ländern deutlich weniger Frauen auf Kinder als in solchen mit weniger guten Einrichtungen.

Schlusslichter

Schlusslichter bei den Betreuungsplätzen für Kleinkinder unter drei Jahren sind die südlichen Länder wie Italien oder Griechenland. Meist fehlen klare Vorgaben, aber auch öffentliche Gelder für Kinderkrippen oder Tagesmütter, heißt es in einer Studie eines italienischen Familienforschungsinstituts im Auftrag des EU-Parlaments von 2006. Dementsprechend niedrig ist in diesen Ländern die Beschäftigungsrate der Frauen, die nicht selten unter 50 Prozent liegt und damit weitab vom EU-Ziel von 60 Prozent.

Österreich hat in den vergangenen vier Jahren kräftig aufgeholt, ist aber ebenfalls vom 33-Prozent-Ziel weit entfernt. Waren 2004 laut OECD nur 6,6 Prozent der Kleinsten in Kinderkrippen oder bei Tagesmüttern, lag die Quote 2007 bereits bei 11,8 Prozent.

Probleme haben die EU-Staaten auch bei der Erreichung des Ziels bei den Drei- bis Fünfjährigen. In Barcelona haben die EU-Staaten 2002 vereinbart, dass bis 2010 90 Prozent in Kindergärten etc. sein sollen. Österreich kam 2007 auf 84,9 Prozent, Deutschland hielt bei 89,9 Prozent. Unter den Spitzenreitern sind hier Frankreich - das auch bei der Betreuung der Kleinsten mit 28 Prozent gut abschneidet - aber auch Italien, Spanien und etliche osteuropäische Länder, wo die Kinderbetreuung aus ideologischen Gründen stark ausgebaut war.

Überlegungen, durch das Angebot von Gratiskindergartenplätzen vor allem Kindern mit Migrationshintergrund Chancen auf eine bessere Integration in der Schule zu eröffnen, gibt es derzeit auch in Deutschland. In Bundesländern wie dem Saarland bzw. Rheinland-Pfalz wurde die Idee schon umgesetzt. Dort sind nun rund 96 Prozent aller Fünfjährigen in Betreuung. Eine Verpflichtung zum Kindergartenbesuch wäre wahrscheinlich verfassungsrechtlich problematisch, heißt es aus dem Bundesfamilienministerium in Berlin. (APA)

 

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