Europa: Dollaranstieg sorgt für Aufatmen

8. August 2008, 15:03
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Ein Kommentar von Vincent Holzer und Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Aktienmärkte gehen mit Abschlägen von knapp 2% aus der verkürzten Handelswoche. Erstmals seit Ende Februar befindet sich der Euro unter der 1,50 Dollar Marke. Euroland hofft auf einen weiteren Anstieg und den damit verbundenen positiven Effekten auf Exportwirtschaft und Konjunktur. Auch der weiter gesunkene Ölpreis beflügelte einige Sektoren, darunter natürlich die Autobauer BMW (+5,2%), Volkswagen (+3,8%) und Daimler (+2,5%). Die größten Verlierer an der Börse waren Banken, die nach schwachen Quartalszahlen von UBS deutliche Kursrückgänge verbuchten.

Nestlé hat es im ersten Halbjahr wieder bewerkstelligt profitabel zu wachsen. Der Umsatz betrug im Vergleich zum Vorjahressemester CHF 53 Mrd. (+3,8%) und der Gewinn CHF 5,2 Mrd. (+6,1%) Als Motor erwiesen sich die aufstrebenden Märkte von Asien, Afrika und Südamerika mit einem Umsatzplus von 18%. Ebenfalls positiv verlief das Geschäft der Sparte Nutrition (zB. Powerbar) mit 11% Umsatzwachstum. Die Aktie ist der Topperformer des Swiss Market Index mit einem Plus von 5,3%.

ThyssenKrupp hat seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben, man geht nun von einem Gewinn vor Steuern von EUR 3,2 Mrd. aus. Die Umsätze sollen auf EUR 53 Mrd. steigen. Im abgelaufenen Quartal musste man einen Gewinnrückgang in Höhe von knapp 20% hinnehmen, der Umsatz stieg hingegen um EUR 800 Mio. auf EUR 14,2 Mrd. an. Den Gewinnrückgang begründet man mit Vorlaufkosten für zwei neue Stahlwerke in Brasilien sowie den USA. Auch Salzgitter, Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern, hat im abgelaufenen Quartal gut verdient und seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben geschraubt. Man rechne nun mit einem Ergebnis vor Steuern von zumindest einer Milliarde Euro (zuvor EUR 900 Mio.).

Schweizer Banken weiter in der Krise

Die durch die Subprimekreditkrise ins Trudeln geratene Schweizer Großbank UBS hat erneut einen Quartalsverlust in Höhe von CHF 358 Mil. erlitten und dies ist nur die Spitze des Eisbergs an schlechten Nachrichten. Weitere CHF 5,5 Mrd. müssen im Zuge der Subprime-Krise abgeschrieben werden. Des Weiteren wurde von der Bank zugestimmt ARS-Anleihen im Wert von circa CHF 21 Mrd. zurückzunehmen. Geheime Bankdaten wurden auf Druck der amerikanischen Steuerbehörde herausgegeben. Die Kunden dankten dies mit einem Kapitalabzug von CHF 43 Mrd. Um einen Turnaround einzuleiten setzt die Unternehmensleitung nun auf eine Umstrukturierung, die eventuell eine Abspaltung der Investmentsparte bringen könnte. Zudem wolle man 5.500 Stellen streichen. Ebenfalls große Probleme mit ARSAnleihen hat die Credit Suisse, die vom Chipsatzhersteller STMicroelectronics verklagt wurde. Ohne Erlaubnis von STM soll die Bank USD 450 Mil. in den risikoreichen ARS-Markt investiert haben. Der Aktienkurs der Credit Suisse stürzte um über 6,5% ab.

ING schwimmt gegen den Strom

Der niederländische Allfinanz-Dienstleister ING hat im letzten Quartal einen Gewinn von EUR 1,92 Mrd. erzielt, dies entspricht einem Rückgang von 25%. Im Gegensatz zu vielen anderen Banken in der Branche, hat die ING aber nur vergleichsweise geringe Abschreibungen in Höhe von EUR 44 Mio. durch die US-Hypothekenkrise zu verbuchen. EON konnte in den ersten sechs Monaten Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr solide steigern. Der Umsatz betrug EUR 41,2 Mrd. (+16%), das EBIT belief sich auf EUR 5,8 Mrd. (+6%).

In der nächsten Handelswoche erwarten wir kaum relevante Quartalszahlen, auch makroseitig sind kaum Impulse zu erwarten. Die bestimmenden Determinanten an den europäischen Aktienmärkten werden also weiterhin der Ölpreis und der EUR/USD Wechselkurs bleiben.

 

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