Leitungswasser vom Raxkönig

    8. August 2008, 17:00
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    Eine kristallklare Route durch das himmlische Höllental, das einst aus verschiedenen Gründen als grauslich galt, obwohl es sehr romantisch ist

    Das Tal der Schwarza zwischen Schneeberg und Rax galt einst wegen seiner wilden Felsen und des rauschenden Flusses als grauslich und erhielt daher den Namen Höllental. Heute empfindet man die teilweise schluchtartige Enge ganz im Gegenteil als romantisch, wenn nicht gar himmlisch.

    Dieses Tal wird auf dem vor wenigen Jahren entstandenen Wasserleitungsweg gerne durchwandert. Die volle Schönheit dieser Landschaft lässt sich erst erleben, wenn man von der Höhe der Rax hinabsteigt. Die Harmonie von Wandfluchten, dunklen Wäldern und dem kristallklaren Wasser erweist sich als einmalig.

    Die Kombination der romantisch-malerischen Brandschneide mit dem Wasserleitungsweg ist fast nicht zu überbieten, und sie hat zudem den Vorteil, dass man sich mit Benützung der Seilbahn einen mühevollen Anstieg erspart.
    Für die Begehung des mit einigen Leitern und Seilen versicherten Steiges über die Brandschneide sind allerdings Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie gute Schuhe Voraussetzung, denn der Weg führt über felsige Abschnitte und steile Geröllhalden.

    Das Höllental liegt direkt zu Füßen, es zahlt sich aus, ein gemächliches Tempo anzuschlagen und immer wieder eine Pause einzulegen, um den herrlichen Blick in die Tiefe und zum gegenüberliegenden Schneeberg zu genießen. Auch die Sicht in das kleine und große Wolfstal erweist sich als besonders beeindruckend.

    Der Wasserleitungsweg folgt im Wesentlichen dem alten Triftsteig, der von „Raxkönig" Georg Huebmer Ende des 18. Jahrhunderts angelegt wurde, um die Holzschwemme aus den Forsten um Naßwald durch das früher unpassierbare Höllental zu ermöglichen. Die erste Wiener Hochquellenwasserleitung wurde wesentlich später gebaut, deren offizielle Eröffnung fand am 24. Oktober 1873 statt.

    Da die Tour relativ kurz ist, bietet sich ein Abstecher zum Ottohaus und dem darüberliegenden Jakobskogel an, der längst als hervorragender Aussichtspunkt ins Semmering- und Wechselgebiet sowie in das südliche Wiener Becken bekannt ist.

    Die Route: Von Hirschwang fährt man mit der Seilbahn zur Bergstation und wandert in einer knappen Stunde auf der roten Markierung über das Ottohaus zum Jakobskogel. Auf derselben Route geht es in einer Dreiviertelstunde zurück zur Bergstation bis zur gelben Markierung, die dann zur Brandschneide und über diese hinab ins Schwarzatal nach Kaiserbrunn führt. Gehzeit ab Bergstation zwei Stunden.
    Auf dem gut beschilderten Wasserleitungsweg kehrt man - den Fluss dreimal querend - nach Hirschwang zur Talstation der Seilbahn zurück. Gehzeit ab Kaiserbrunn 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/9./10.8.2008)

    Gesamtgehzeit 5¼ Stunden, Höhenunterschied Aufstieg 200 m, im Abstieg 1200 m. Restaurant _in der Bergstation und Ottohaus durchgehend geöffnet, Gasthaus in Kaiserbrunn (Dienstag Ruhetag). ÖK25V Blatt 4212-West (Schneeberg und Rax); Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, 1:50.000

    • Garnicht grauslich sondern wild romantisch zeigt sich das Höllental.Foto: Roman Klementschitz/wikipedia.org
      foto: roman klementschitz/wikipedia.org

      Garnicht grauslich sondern wild romantisch zeigt sich das Höllental.
      Foto: Roman Klementschitz/wikipedia.org

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