USA: Dollar und Öl liefern US-Börsen Treibstoff

14. August 2008, 16:07
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US-Börsen tendierten von Freitag bis inkl. Mittwoch geringfügig schwächer. Der Dollar kletterte auf den höchsten Stand seit Februar, der Ölpreis fiel auf ein Dreimonats-Tief. Am Dienstag keimten erneute Finanzmarkt- und Konjunktursorgen auf, auch die Ölpreisnotiertungen kletterten wieder. Für Unsicherheit sorgte der Konflikt zwischen Russland und Georgien um Süd-Ossetien, die Krise schürte Kriegsängste in der für den Energietransport wichtigen Kaukasus-Region. Auch der Ölbericht des Energieministeriums sorgte für anziehende Ölpreisnotierungen. Die Benzin-Lagerbestände sanken um 6,4 Mio. Barrel, der Konsens ging von lediglich 2 Mio. Barrel aus.

Einzelhandelsumsätze enttäuschen erneut

Die gemeldeten Makrodaten fielen überwiegend enttäuschend aus. Die Lagerbestände im Großhandel sind deutlicher als erwartet gestiegen, sie lagen 1,1% über dem Vormonatsstand. Volkswirte waren von lediglich 0,6% ausgegangen. Die Einzelhandelsumsätze enttäuschten mit einem Minus von 0,1% erneut. Der Konsens war von einem Anstieg um 0,5% ausgegangen. Die stark gestiegenen Benzinpreise und der anhaltend schwache Arbeitsmarkt dürften die Kauflust des US-Konsumenten also deutlich dämpfen.

Schonfrist für Financials zu Ende

Finanztitel zählten zu den größten Verlieren. Das von der SEC verhängte Verbot ungedeckter Leerverkäufe (Naked Short Selling) für Finanztitel, darunter Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie 17 Investmentbanken, ist per Dienstag abgelaufen. Seit dem Verbot vom 21. Juli konnten die Finanztitel im Schnitt 18,3% zulegen, in der Zwischenzeit verloren jedoch Regionalbanken und Versicherungstitel massiv an Wert.

JPMorgan Chase schockte mit weiteren Abschreibungen. So müsse man seit Beginn des dritten Quartals zumindest USD 1,5 Mrd. abschreiben, zudem haben sich die Handelskonditionen "substanziell verschlechtert". Wachovia tendieren knapp 20% schwächer, nachdem das Ergebnis für Q2 deutlich nach unten revidiert werden musste. Auch Hypothekenfinanzierer Fannie Mae ist tiefer als erwartet in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust im Q2 belief sich auf USD 2,3 Mrd. und war damit dreimal so hoch wie erwartet. Die Aktie knickt 20% ein. Anteilsscheine von MBIA schlugen die entgegengesetzte Richtung ein. Der Anleiheversicherer hat im zweiten Quartal dank hoher positiver Einmaleffekte in Zusammenhang mit Derivate-Absicherungen einen kräftigen Ergebnisanstieg verzeichnet, womit die Schätzungen der Experten weit in den Schatten gestellt wurden.

ARS-Rückkäufe engen finanziellen Spielraum der Financials weiter ein

Rund um die umstrittenen Praktiken beim Verkauf sogenannter Auction Rate Securities (ARS) ist nun ein Präzedenzfall geschaffen worden. Citigroup muß Wertpapiere im Volumen von rund USD 7,4 Mrd. von Kunden zurückkaufen und eine Strafe in Höhe von USD 100 Mio. zahlen. Damit entgeht man einer Anklage des New Yorker Generalstaatsanwalts. Auch Merrill Lynch (USD 12 Mrd.) und Morgan Stanley (USD 4,5 Mrd.) mussten ARS zurückkaufen. ARS sind langlaufende Anleihen, deren Zins in kurzen Abständen bei Auktionen neu festgesetzt wird. Der Markt hat ein Volumen von USD 330 Mrd. und galt aufgrund der höheren Rendite als beliebte Alternative zu Geldmarktanlagen. Im Zuge der Kreditkrise ist der Markt jedoch de facto zusammengebrochen.

UPS vor TNT-Übernahme?

McDonald's konnte die vergleichbaren Umsätze um 8% steigern. Insbesondere die neuen Frühstücksangebote seien dafür verantwortlich. Sprint Nextel hat die Kapitalerhöhung in Höhe von USD 3 Mrd. indes abgesagt, die Aktie haussiert 17,8%. Gemäß britischen Medienberichten ist UPS am niederländischen Konkurrenten TNT interessiert. Firmenaussagen zufolge wolle man die Marktposition in Europa verbessern, eine Übernahme hätte ein Gesamtvolumen von etwa USD 10 Mrd. Deere & Co hat die Erwartungen bei Gewinn und Umsatz deutlich verfehlt, die Aktie kann sich intraday jedoch wieder erholen. Anteilsscheine von Apple steigen knapp 10%. Der Software-Verkauf über den "App Store" laufe deutlich besser als erwartet, seit Start vor knapp einem Monat habe man bereits mehr als 60 Millionen Programme verkauft. Die Applikationen werden von Drittanbietern entwickelt, dazu zählen GPS-Anwendungen, Kommunikations-Programme und Spiele. Der Gesamterlös könnte sich auf USD 1 Mrd. jährlich belaufen. Amazon profitierte von positiven Verkaufszahlen von "Kindle", einem Digitalbuch-Lesegerät.

Ambivalente Berichtssaison

Nachdem 464 aller Unternehmen im S&P 500 Quartalszahlen gelegt haben, sieht das Fazit recht ambivalent aus. Im Schnitt sind die Gewinne der laufenden laufenden Berichtssaison um 24,9% (gewichtet nach Marktkapitalisierungen) gefallen. Zum Ende des vergangenen Jahres hatten die Experten noch mit Zuwächsen um rund 15% gerechnet. Besonders im Finanzsektor (-97%) und im Bereich des zyklischen Konsums (-73%) brachen die Gewinne ein, während die Sektoren Energie (+20,8%), IT (+19,1%) und Healtcare (+12%) positiv überraschten. In der nächsten Handelswoche erwarten wir Quartalsergebnisse von Einzelhändlern wie Lowe's, Home Depot oder Target. Auch die Neubaubeginne, die Frühindikatoren und der Philly-Fed-Index sollten für Impulse sorgen.

 

 

 

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