Schwammerlsuchen gegen Gebühr: "Kuratorium Wald" empört

8. August 2008, 14:30
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Kärntner SPÖ-Chef Rohr verlangte ein Ende des "Schwammerlkopfgeldes" - Erlaubte Sammelmenge gilt nicht für Waldbesitzer

Klagenfurt - Die heftigen Diskussionen um die von fünf teils adeligen Waldbesitzern im Kärntner Lavanttal verfügte Einhebung einer Gebühr für das Pilze-Sammeln gehen weiter.  Empört über den Versuch, von Schwammerlsuchern einen "Waldeintritt" in der Höhe von 45 Euro zu verlangen, hat sich am Freitag auch das Kuratorium Wald gezeigt. Die Großgrundbesitzer seien ohnehin "die größten Nutznießer der EU-Agrarfördermilliarden", betonte Kuratoriumssprecher Hermann Dummer. Der Kärntner SPÖ-Chef LHStv. Reinhart Rohr verlangte ein Ende des "Schwammerlkopfgeldes".

Die Schwammerlgebühr von Felix Montecuccoli, Dominik Habsburg Lothringen sowie weiteren drei Großgrundbesitzern soll laut Kuratorium Wald zwar vorerst auf eine Fläche von 16.000 Hektar beschränkt sein, dahinter stehe aber "der Geheimplan, dass die Schwammerllizenzgebühr auf ganz Österreich ausgedehnt werden soll". In Wahrheit gehe es der Großgrundbesitzerlobby "Land&Forstbetriebe" um eine massive Einschränkung der freien Betretbarkeit des Waldes, einem Grundrecht, das jeder Österreicherin und jedem Österreicher seit 1973 zustehe.

Mit diesem im Forstgesetz verbrieften Grundrecht der freien Betretbarkeit des Waldes sei auch das freie Recht auf Sammlung von Pilzen bis maximal zwei Kilogramm pro Waldbesucher und Tag gesetzlich erlaubt, stellte Dummer fest. Somit sei nach dem Forstgesetz die Lizenzgebühr rechtswidrig. Der zuständige Bezirkshauptmann als Forstbehörde erster Instanz müsse daher einschreiten und "den Schwammerl-Unfug der Großgrundbesitzer unverzüglich beenden", so der Kuratoriumssprecher.

Negative Schlagzeilen

Rohr wies in einer Aussendung auf die negativen Schlagzeilen hin, welche die fünf Waldbesitzer Kärnten im In- und Ausland beschert hätten: "Die Herren haben ihre 15 Minuten Ruhm gehabt, jetzt sollte aber auch bei ihnen endlich die Vernunft wieder einkehren." Es dürfe nicht sein, dass Schwammerlliebhaber, die sich an die gesetzlichen Vorgaben halten und nicht mehr als zwei Kilo für sammeln, "aus reiner Profitgier einiger Weniger bestraft werden sollen", betonte der SPÖ-Chef.

Auf welch großes mediales Interesse das Vorgehen der - teils adeligen - Kärntner Waldbesitzer gestoßen ist, zeigt die Schlagzeile in der bayerischen "Abendzeitung": "Klassenkampf in Kärntens Wäldern: Ösis wollen Lizenz zum Pilzesammeln" heißt es da auf der Titelseite. Gleichzeitig wird die Bevölkerung des Freistaates beruhigt: In Bayern sei an eine derartige Maßnahme keinesfalls gedacht, dort könne jeder kostenlos sammeln so viel er möchte.

Erlaubte Sammelmenge gilt nicht für Waldbesitzer

Der Aktionist Reinhard Eberhart, Sprachrohr der Gegner der Maßnahme, machte am Freitag darauf aufmerksam, dass die Kärntner Pilzverordnung, laut welcher aus Naturschutzgründen Schwammerln und Pilze in der Zeit von 15. Juni bis 30. September in einer Gesamtmenge von höchstens zwei Kilogramm pro Person und Tag gesammelt werden dürfen, für die Waldbesitzer nicht gelte.

Eberhart weist in einem "Offenen Brief" nach Rücksprache mit Verwaltungsjuristen des Landes auf das Forstgesetz und das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch hin, welche besagten, dass die Waldbesitzer so viele Schwämme und Pilze ernten dürften, wie sie wollen. "Was sagt der Naturschutz zu dieser Ungleichheit? Ist das Schwammerl-Pflücken vom Waldbesitzer schonender als jenes vom einfachen Volk?", fragt der Aktionist.

Weiters weist er darauf hin, dass sich professionelle Schwammerlsucher - vor allem aus dem Ausland - sicher nicht von den geforderten 45 Euro abschrecken lassen würden, da sie illegal ohnehin weit mehr als die erlaubten zwei Kilo sammelten. Hingegen treffe die Maßnahme der Waldbesitzer die einheimischen Familien sowie die Urlaubsgäste, "die vielleicht zwei bis drei Mal im Sommer gemeinsam zum Schwammerlklauben durch den Wald spazieren, und das natürlich nicht immer im selben Waldstück".

"Beschämend"

Eberhart: "Es ist beschämend, wie einige adelige Herren das Volk für dumm verkaufen wollen. Herr Dominik von Habsburg-Lothringen glaubt wohl, dass sein Onkel noch immer als Kaiser in der Wiener Hofburg residiert und er als Erzherzog schalten und walten kann, wie er will." Eberhart forderte daher die Waldbesitzer auf, ihren Schritt zu überdenken, der Bevölkerung gab er den Rat, "keine Schwammerl-Vignetten zu kaufen." Waldbesitzer-Sprecher Habsburg-Lothringen mitsamt Familie lud der Aktionist "sehr herzlich auf ein Schwammerlgulasch ein, damit Du Kärntner Gastfreundschaft kennen lernst."

Das Interesse in- und ausländischer Medien am "Kärntner Schwammerl-Krieg" ist jedenfalls ungebrochen groß. Bei Eberhart haben inzwischen drei TV-Stationen - ORF, ATV und ZDF - angefragt. "Mit Super RTL bin ich seit heute im Gespräch", sagte er am Freitag.

Sowohl die Klubchefs von BZÖ und SPÖ, Kurt Scheuch und Herwig Seiser, als auch der Grüne Landessprecher Rolf Holub sowie der Spittaler Nationalratsabgeordnete und Kärntner SPÖ-Spitzenkandidat Gerhard Köfer habe die Lavanttaler Waldbesitzer aufgefordert, ihre Maßnahme zurück zu nehmen. (APA)

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