Keine Steinigungen mehr im Iran

4. September 2008, 13:05
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Mehrheit der IranerInnen lehnen Steinung ab - Auch Richter wollten diese grausame Praktik nur selten als Strafe verhängen

Teheran - Der geistliche Führer Ali Chamenei, die höchste Autorität des Landes, hat vier zur Steinigung verurteilte Gefangene zu Gefängnisstrafen und Prügelstrafen begnadigt. Mehrere Verurteilte hätten um Gnade gebeten und ihre Gesuche wurden geprüft. Bis das Parlament eine Neufassung des Strafrechts verabschiedet, werde der Vollzug bei Verurteilten ausgesetzt, so der Justizsprecher Aliresa Dschamschidi am vergangenen Dienstag. Dschamschidi meinte weiter, dass künftig im neuen Gesetzes-Text Steinigungen nicht mehr vorgesehen seien.

Auch die Mehrheit der IranerInnen lehnt diese Strafe als barbarisch ab. Ebenso soll DiebInnen nicht mehr die Hand abgehackt werden.

Obwohl es Druck von Seiten der EU gab und bereits 2002 vom Chef der Justiz, Ayatollah Mahmud Haschemi Schahrud, ein Moratorium gegen Steinigungen verfügt wurde, setzten sich mindestens drei Richter über dieses Verbot hinweg.

Der Fall von einem Mann, der 2007 in einem Dorf bei Kaswin, 150 Kilometer westlich von Teheran, von einer aufgeputschten Menge grausam hingerichtet wurde, dürfte der Auslöser für die eingeleitete Reform sein. Auch von der EU von UN-VertreterInnen und BürgerInnengruppen gab es Proteste.

Steinigung für Ehebruch, Inzest oder Prostitution

Unter den Verurteilten, denen bis zum Entscheid Chameneis noch die Steinigung drohte, waren 9 Frauen und zwei Männer. Sie sitzen zum Teil seit 1996 in Haft. Die Frauen sind zwischen 27 und 43 Jahren und ihnen wird Ehebruch, Inzest oder Prostitution vorgeworfen. Obwohl Steinigung als Strafe für Ehebruch im Koran nicht vorgesehen ist, behaupten konservative Rechtslehrer, dass sie der Tradition des Propheten Mohammed entsprechen.

Steinung ist als Strafe selten verhängt worden. Es gibt eine genaue Vorgabe der Prozedur der Steinungen: Während Männer bis zu Hüfte eingegraben werden, werden Frauen bis zur Brust in die Erde eingegraben. Um zu verhindern, dass die Steine zu einem sofortigen Tod führen, dürfen diese nicht zu groß sein. Angesichts der Grausamkeit dieser Prozedur entschieden sich viele Richter doch zu anderen Strafmaßnahmen.

Es läßt sich oftmals nicht klar feststellen, ob die Hinrichtigungen dieser Art auf Gerichtsentscheide zurückzuführen sind oder auf eigenmächtiges Handeln von lokalen Stammesgemeinschaften. Denmach besteht die Möglichkeit, dass Steinigungen in Gegenden, in denen die Rechtslage nicht überprüft wird, weiterhin praktiziert werden - genaue Zahlen sind nicht bekannt.

In den vergangenen Jahren meldeten Menschenrechts-Organisationen Steinigungen aus Afghanistan, Pakistan, dem Irak, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Jemen, Somalia, dem Sudan und Nigeria. (Reuters, red)

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