Vergiss Slayer*

7. August 2008, 20:56
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...beziehungsweise Monsieur 1000-Volt

Der Wurm war am vergangenen Wochenende auf einer Hochzeit. Er hat mit allen Mädels geflirtet. Vom Kranzlmadl bis zur Schwiegermutter, er hat sie angestrahlt wie eine 100-Watt-Birne, sie sind dahingeschmolzen. Der Wurm war partyfest, hielt lange durch, friedlich ratzend im Tragetuch.

Gegen Mitternacht wollte er doch ins Hotel. Erspart hat uns der Wurm mitanzuhören, wie die Hochzeitsgesellschafter mit schwerer Zunge, aber lautstark forderten, die Band mit dem Bräutigam am Schlagzeug solle "endlich 'Raining Blood' spielen" (woraus nur "Rocking in the Free World" wurde). Ich hätte schon in der Kirche, als "You've Got a Friend" gesungen wurde, "Slayer!*"-Rufe erwartet. Nix, wie die Jungscharführer haben wir gelauscht, aufmüpfig war nur die Dutzendschaft Babys. Immerhin nervte um zwei Uhr früh noch Doktor K. als sein veltlinerinduziertes Alter Ego Mister N. die Hochzeiter mit einem 15-Minuten-Kreisch-Gitarrensolo à la "Zurück in die Zukunft" ("Ihr seid noch nicht so weit, aber eure Kinder werden es lieben!"). Aber uns nicht mehr, wie gesagt.

Beim Heimfahren aus der Wachau am nächsten Tag war der Wurm dann arm: Blähungen, herzzerreißendes Weinen. Runter von der Autostrada, Saharahitze im Tullnerfeld. Der Ort - supersauber, entbäumt. Wir stellten den Wagen im Schatten einer dieser niederösterreichischen Mega-Bauernhof-Wohnhaus-Baustellen ab. Anrainer musterten uns misstrauisch. Früher hätte ich ihnen entgegengebrüllt: "If you don't like Slayer*, I can't trust you!" Ich stand aber nur brav mit dem Milchflascherl in der Hand neben meiner Frau, die den bauchiverkrampften Wurm in den Schlaf wiegte. Fünfzig ang'fressene Einheimische später hatte sie Erfolg.

In Wien wachte der Wurm auf, als das Auto zum Stillstand kam. Er strahlte wie eine 100-Watt-Birne. "Vergiss Slayer*", dachte ich und schmolz dahin. (szem)

* für Unverbesserliche: 16. 11., Gasometer, Wien

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Leo Szemeliker

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