Willendorfer Wahnsinn um die Venus

7. August 2008, 20:25
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Mit Venus-Marmelade und -Wein feiern die Willendorfer den Kurzbesuch der 25.000 Jahre alten Original-Venus in ihrem Heimatort - über Polizeiaufwand und Versicherungssummen herrscht Schweigepflicht

Willendorf - Die berühmteste Willendorferin stattet ihrem Heimatort am Freitag einen Kurzbesuch ab. Der kleine Wachauer Ort, an dem die Venus vor genau 100 Jahren gefunden wurde, feiert den Anlass volksfestartig. Bei Schönwetter wird die elf Zentimeter große Dame eingeflogen. Für 11 Uhr ist ihre Landung geplant. Dann wird das "Willkommen daheim! - Venusfest" bereits seit einer Stunde im Gange sein.

Da spielt die Musi auf, es gibt Spanferkel und Steinzeit-Burger, Palatschinken mit Venus-Konfitüre aus Willendorfer Marillen und Venus-Wein. Auch ein Postamt mit Sonderbriefmarke hat geöffnet, und Wissenschafter werden von der Bedeutung der 25.000 Jahre alten Dame erzählen. Auf einer Public-Viewing-Leinwand wird die Ankunft der Figur aus Kalkstein am Fundort auf den Festplatz live übertragen. Je nach Wetterlage sollen sich rund 5000 Besucher, darunter 180 Ehrengäste, einfinden.

"De facto unbezahlbar"

"Das wird ein rundes Ereignis. Warum immer nur Fußball?", meint Bernd Lötsch, Direktor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien. Über die Zahl der Polizeibeamten, die für die Sicherheit der Venus im Einsatz sind, und über die Versicherungssumme herrscht Schweigepflicht. "De facto ist dieses weltweit älteste Zeugnis hoher künstlerischer Kultur unbezahlbar", erläutert Lötsch.

Die Venus war nicht immer so mobil. Von 1908 bis 1998 lag sie im Tresor. "Nur Gelehrte und Top-Sponsoren durften das paläolithische Busenwunder mit weißen Handschuhen befingern", erzählt Lötsch. Das Museum habe sich die entsprechende gepanzerte Hochsicherheitsvitrine um damals fast eine Million Schilling nicht leisten können. Durch einen Deal mit dem damaligen Schönbrunner Zoo-Direktor Helmut Pechlaner, der das Original in der Orangerie ausstellen wollte, kam die Dame dann doch noch etwas herum. Seit 2000 blieb sie, nach einem Ausflug nach Bonn, wieder an ihrem Stammplatz im NHM.

Doch Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) wollte die älteste Niederösterreicherin zum 100-Jahr-Jubiläum in sein Land heimholen. In einem Koffer wurde sie daher am 17. Mai 2008 per Panzer in ihre Heimat kutschiert. Im Niederösterreichischen Landesmuseum in St. Pölten war sie bis Donnerstag in der Ausstellung "Mammut, Mensch & Co - Steinzeit in der Eiszeit" zu sehen. Doppelt so viele Besucher wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres hat die Venus angezogen. Auf dem Rückweg nach Wien ist nun der Abstecher zu ihrem Fundort eingeplant. Dort ist zu diesem Anlass auch das kleine Museum "Venusium" renoviert worden. Freitag früh eröffnet Pröll das "uralte" Haus, wie Christian Satzl vom Willendorfer Museumsverein es beschreibt. Die Ausstellung in dem sanierten Gebäude wurde neu gestaltet. Insgesamt 200.000 Euro kostete der Umbau. Doch die üppige Original-Venus wird hier nach wie vor nur durch eine Doppelgängerin vertreten sein.

Sonderschau in Wien

Am Abend fliegt die betagte Dame nämlich schon nach Wien weiter. Dort erwartet Bürgermeister Michael Häupl (SP) sie gegen 19 Uhr. Ab 9. August ist sie Höhepunkt der Sonderausstellung "Venus von Willendorf - Rätsel der Steinzeitkunst" im NHM.

Die Willendorfer müssen dann wieder mit dem Abguss des Originals und käuflichen Repliken, Schokoladedamen oder Schlüsselanhängern vorliebnehmen. (Gudrun Springer, Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. August 2008)

  • Jeder will sie, am Freitag kommt sie wieder nach Wien: die Venus von
Willendorf, das "paläolithische Busenwunder", das vor 100 Jahren in der
Wachau gefunden wurde. Bevor sie ins Naturhistorische Museum
zurückkehrt, macht sie Halt an ihrem Fundort.
    foto: standard/christian fischer

    Jeder will sie, am Freitag kommt sie wieder nach Wien: die Venus von Willendorf, das "paläolithische Busenwunder", das vor 100 Jahren in der Wachau gefunden wurde. Bevor sie ins Naturhistorische Museum zurückkehrt, macht sie Halt an ihrem Fundort.

  • Grafik: Steinzeitliche Funde in Österreich
    grafik: der standard

    Grafik: Steinzeitliche Funde in Österreich

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