Kopf des Tages: Lockerer Dribbler mit Zukunft

7. August 2008, 19:40
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Chinas Aufsteiger: Vizepremier und Olympia-Organisator Xi Jinping

Die chinesische Nation sah Mitte Juli den mächtigen Chef der Parteihochschule, Xi Jinping, ganz ungewohnt auftreten. Statt ideologische Pirouetten zu drehen, dribbelte der Kronprinz und designierte Nachfolger von Staats- und Parteichef Hu Jintao an einem anderen Politbüromitglied vorbei und schoss aufs Tor.

Es war gewissermaßen eine Amtshandlung. Der 55-jährige Vizepremier ist im Politbüro-Ausschuss für die Olympischen Spiele zuständig und musste das neue Olympia-Fußballstadion in der Küstenstadt Qinhuangdao für die Spiele inspizieren.

Als sportlicher Typ war der pausbäckig-joviale Parteiführer, der im März 2007 zu einem der neun mächtigsten Funktionäre der Volksrepublik China ernannt wurde, nie bekannt. Aber dafür als wendiger Wirtschaftsmanager, der seit vielen Jahren eine ungewöhnliche Politikerfreundschaft mit dem US-Finanzminister Henry Paulson pflegt. Der nannte ihn schon 2005, als Xi noch KP-Chef der ostchinesischen Provinz Zhejiang war, einen "aufgehenden Stern" am Polithimmel Chinas und einen von jenen aus der fünften Generation der Nachrücker seit dem Staatsgründer Mao, die "wissen, wie sie über die Zielgerade kommen".

Da passt es, dass Xi in Chinas Führung auch für die Aufsicht über die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong zuständig ist. Als Gouverneur von Fujian in Südchina holte er einst taiwanesische Geschäftsleute mit ihren Milliardeninvestitionen in die Provinz.

Der Aufstieg war dem Sohn des Altrevolutionärs Xi Zhongxun, eines Gefährten von Mao Tse-tung, in die Wiege gelegt. Sein Vater wurde stellvertretender Regierungschef, als der in Peking im Juni 1953 geborene "Prinzling" Xi Jinping gerade sechs Jahre alt war.

Xi studierte zuerst Chemie an der Qinghua-Universität in der Hauptstadt und promovierte später in Jus. Er erlebte aber auch die üblen Seiten des Herrschaftssystems, als sein Vater bei der Führung in Ungnade fiel und 16 Jahre lang, bis 1978, verfolgt wurde.

Xi musste mit den Eltern mit aufs Land in die Verbannung. Das hat ihn pragmatisch und zum "Zupacker" gemacht. Er kann auch auf unchinesische Art locker sein und Privates erzählen.

Einer Zeitschrift verriet er einmal, dass er exakt vierzig Minuten gebraucht habe - dann wusste er, dass er sich in eine Künstlerin verliebt hatte. Er heiratete die berühmte Armee- und Volkssängerin Peng Liyuan und hat heute eine Tochter mit ihr. (Johnny Erling/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2008)

 

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    Xi Jinping, Olympia-Organisator

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