Bayreuth: Wagner-Halbschwestern geloben Teamgeist

7. August 2008, 19:21
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Katharina und Eva präzisieren ihr Bewerbungsschreiben und künftige Pläne

Berlin - Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier wollen die Bayreuther Festspiele "in gegenseitigem Respekt" gleichberechtigt führen und "alle wesentlichen Entscheidungen auch gemeinsam fällen". Wie 3sat in seiner "Kulturzeit" am Donnerstag berichtet, betonen dies die beiden Halbschwestern und Töchter des 88-jährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner in ihrem Bewerbungsschreiben für eine Nachfolge an der Spitze der Richard- Wagner-Festspiele in Bayreuth. Wolfgang Wagner wird Ende August nach 57 Jahren aus dem Amt scheiden.

Katharina (30) werde "das junge Gesicht" der Festspiele sein und jüngere Publikumskreise erschließen, während Eva (63) für "erstklassige musikalische Qualität" bürgen werde. In der vom 20. April 2008 datierenden Bewerbung heißt es, dass sich Bayreuth in der Wagner-Interpretation weltweit von niemandem übertreffen lassen dürfe. Die Festspiele auf dem Grünen Hügel müssten künftig "wieder das Beste zusammenfassen, was die internationale Auseinandersetzung mit Wagners Musikdramen künstlerisch hervorbringt".

"Rienzi" kommt

Das Repertoire der Festspiele soll auch in Zukunft auf die Werke Richard Wagners beschränkt bleiben. Dabei könne das Frühwerk "Rienzi" zusätzlich in den Spielplan kommen, nicht aber "Die Feen" und "Das Liebesverbot". Geplant ist auch eine "Festspielakademie Bayreuth" für den künstlerischen Nachwuchs. Eine Verlängerung der Festspiele, die bisher in jedem Jahr vom 25. Juli bis Ende August stattfinden, ist über den August hinaus nicht vorgesehen.

Die Halbschwestern aus den beiden Ehen Wolfgang Wagners wollen den "legendären Bayreuther Geist" stärken, der in den vergangenen Jahren Schaden genommen habe, "unter anderem durch manche Defizite in der künstlerischen Qualität sowie durch eine oft unzeitgemäße Medien- bzw. Pressepolitik".

Bewerbung mit Nike "überholt"

Neben diesem Bewerbungsschreiben liegt dem Stiftungsrat dem Sender 3sat zufolge unverändert eine ältere, seinerzeit gemeinschaftlich verfasste und eingereichte Bewerbung von Nike Wagner (63), der Tochter des 1966 gestorbenen Festspielleiters Wieland Wagner, und Eva Wagner-Pasquier vom März 2008 vor. Eva Wagner-Pasquier bitte den Stiftungsrat, dieses Papier als "überholt" zu betrachten. Nike Wagner hatte erst im Juli ihren Anspruch auf eine Mitbeteiligung an der Festspielleitung bekräftigt.

Die Bewerbungsfrist für die neue Leitung der Bayreuther Festspiele endet am 31. August. Der Stiftungsrat der Festspiele, in dem unter anderem der Bund, der Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth vertreten sind, will schon am 1. September darüber beraten und möglicherweise auch schon entscheiden. (APA/dpa)

 

 

 

 

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