Experten: Entspannung bei Ölpreis nur kurz

7. August 2008, 19:05
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Die Rohölpreise bewegen sich derzeit zwischen 114 und 120 Dollar pro Fass. Experten erwarten aber mehrheitlich wieder einen Preisschub

Wien - Die Rohölpreise gehen seit Wochen hinunter, die Emotionen wegen der Spritpreise in Österreich sind hoch: Der US-Ölpreis hat sich am Freitag zunächst bei der Marke von 120 US-Dollar eingependelt. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur September-Auslieferung kostete in der Früh 119,73 US-Dollar (77,39 Euro). Das waren 29 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 28 Cent auf 117,58 Dollar. Der alte Rekordwert beim US-Öl vom 11. Juli bei 147,27 Dollar bleibt damit weiter klar außer Reichweite.

Um zwanzig Prozent gefallen

Damit sind die Rohölpreise im Laufe des Sommers - trotz Tropenstürmen und dem Streit zwischen dem Ölförderland Iran und dem Westen über das Atomprogramm - um zwanzig Prozent gefallen. Die Spritpreise an den Tankstellen würden diesen Preisrückgang nicht mitmachen, kritisieren Automobilklubs und Konsumentenschützer.
Die Mineralölindustrie argumentiert, dass erstens ohnehin die internationale Börse für veredelte Rohstoffprodukte wie Benzin und Diesel für die Preisbildung ausschlaggebend sei, zweitens der Steueranteil fix ist (Benzin mit Agrotreibstoff beigemischt: rund 52 Prozent; Diesel mit Biosprit: rund 43 Prozent). Drittens wären die extremen Preisanstiege bei Rohöl - im Jänner des Vorjahres lag der Barrel-Preis für Opec-Öl bei 50 Dollar - auch nicht eins zu eins weitergegeben worden.

Verteuerung erwartet

Mittelfristig rechnen Energiemarktexperten ohnehin mit einer weiteren Verteuerung: Die Preise für Rohöl - ebenso wie für Erdgas, Kohle und Strom - werden in den nächsten sechs Monaten weiter steigen. Nur etwa acht Prozent erwarten in einer Expertenumfrage des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim), dass der Preis für Rohöl in den nächsten Monaten oder Jahren sinken wird. Dagegen sehen 61 Prozent der Befragten den Preis für ein Barrel in den nächsten sechs Monaten eher steigen, 30 Prozent rechnen damit, dass der Ölpreis sein derzeitiges Niveau halten wird.


Die Autofahrer hätten angesichts dieser Erwartungen bereits ihr Tankverhalten geändert, berichtet der  heimische ÖAMTC über die Ergebnisse einer Umfrage: 78 Prozent der Befragten (1500 Personen) fühlen sich durch die Spritpreise "eher stark" bis "sehr stark" belastet. Trotzdem würde nur jeder zweite sein Auto gegen ein sparsameres Modell eintauschen. 85 Prozent stellen neuerdings vor dem Tanken Preisvergleiche an, 80 Prozent wissen, wo es in der Nähe am billigsten ist. 73 Prozent tanken jetzt öfter bei Diskontern.

Weniger Trinkgeld beim Tankwart

Was die Tankwarte dabei nicht freuen dürfte: 70 Prozent der Befragten geben weniger Trinkgeld. 17 Prozent tanken regelmäßig um einen Fixbetrag (dieses Tankverhalten findet man am stärksten unter den Befragten bis 29 Jahre). 76 Prozent aller Befragten behaupten, dass sie versuchen, spritsparender zu fahren, 68 Prozent sparen Fahrten ein. 57 von 100 Kraftfahrern wollen Termine und Erledigungen effizienter planen. Knapp die Hälfte gibt an, ihr Freizeitverhalten geändert zu haben und beispielsweise weniger Ausflüge zu machen. Sparen will man außerdem bei Autowäsche (20 Prozent) und Versicherung (16 Prozent). (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2008)

 

  • Österreichs  
Autofahrer lernen die Tankstellen in ihrer Umgebung derzeit besser 
kennen: Laut Umfrage informieren sie sich vermehrt über den besten Preis.
    foto: standard/corn

    Österreichs  Autofahrer lernen die Tankstellen in ihrer Umgebung derzeit besser kennen: Laut Umfrage informieren sie sich vermehrt über den besten Preis.

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