Milder Umgang mit dem scharfen Brief

7. August 2008, 18:44
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Posch: "Obwohl die SPÖ in Opposition war, hat sie alle Grundsätze über Bord geworfen"

Wien/Linz - "Auch alle Kritiker sind eingeladen, zu kommen": Das Krisenmanagement der roten Parteizentrale ist betont friedfertig angelegt, nachdem zwei Dutzend verärgerte Genossen, allen voran Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina, just vor dem Parteitag am Freitag ihrem Ärger über die SPÖ-Spitze Luft gemacht haben. Von "Überheblichkeit" war in dem offenen Brief die Rede und von "Anbiederung" an die Kronen Zeitung.

Bundesgeschäftsführerin Doris Bures hatte danach alle Hände voll zu tun. In "mehreren Telefonaten" versuchte sie, grantige Parteifreunde zu beruhigen - und versprach in einem offenen Antwortschreiben, dass man die Bedenken ernstnehmen werde. Auch der neue Parteichef Werner Faymann werde in seiner Antrittsrede auf die Vorwürfe "Bezug nehmen", heißt es. Und im Interview mit derStandard.at zeigt Sozialminister Erwin Buchinger "Sympathie" für die "Grundposition" des Briefes: "Ich kann die Sorge über die jetzige Situation der Sozialdemokratie nachvollziehen", der Zeitpunkt im Wahlkampf sei aber problematisch.

"Alle Grundsätze über Bord"

Mehr als nur Sympathie äußert Walter Posch, Ex-Menschenrechtssprecher der SPÖ und heute Chef des Instituts für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit: "Ich bin froh, dass diese Leute aufgestanden sind." Schon 2005 hätten "Anbiederung und Opportunismus Einzug gehalten", als die SPÖ den harten Fremdengesetzen von Schwarz-Blau zustimmte: "Obwohl die SPÖ in Opposition war, hat sie alle Grundsätze über Bord geworfen." (jo, nw/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2008)

 

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