"Wir könnten rascher expandieren"

7. August 2008, 18:07
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Kika sieht sich beim Ausbau in Osteuropa von der Bürokratie gebremst. Juniorchef Paul Koch spricht im STANDARD-Interview über Tabus in Saudi-Arabien und Abenteuer in Kroatien

Standard: Die Teuerung bremst den Konsum. Wie stark sparen die Ös-terreicher bei ihren Möbeln?

Koch: Bei großen Investitionen gibt es wenig Kaufzurückhaltung. Auf der Strecke bleiben jedoch Impulskäufe, Dekoartikel etwa. Diese sind ja mittlerweile an jeder Tankstelle und in jedem Diskonter zu haben.

Standard: Ihr Rivale Lutz legt nach eigener Aussage trotz flauen Marktes in Österreich weiter zu. Kika/Leiner hat 2007 aber Umsatz verloren.

Koch: In einem Image-Ranking liegt Leiner vor Lutz, obwohl wir kleinere Werbebudgets haben. Wir protzen nicht mit Größe. In Deutschland entstehen derzeit Möbelhäuser mit 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Warum tut man sich so was an? Es geht nicht nur darum, wer mehr Umsatz, mehr Quadratmeter und mehr Rot im Logo hat.

Standard: Ihre Expansion in Osteuropa kommt nicht so schnell voran wie geplant. Was bremst Sie?

Koch: Wir könnten rascher expandieren, wenn es die Bürokratie, die Baugenehmigungen zuließen. Wir mussten etwa in Rumänien gut drei Monate auf eine Baufirma warten, da alle ausgebucht waren. In Kroatien ist das Wirtschaftsklima gut, aber oft passiert Abenteuerliches. Uns wurde einmal unser eigenes Möbelhaus zum Kauf angeboten.

Standard: Viele klagen, der Immobilienmarkt sei völlig überhitzt.

Koch: Es normalisiert sich mittlerweile wieder. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben sich die Grundstückspreise jedoch oft alle drei bis vier Monate verdoppelt.

Standard: Wie viel lassen Sie sich die Expansion kosten?

Koch:
Es sind rund 60 Mio. Euro im Jahr. Wir eröffnen heuer unser erstes Haus in Rumänien. Als nächstes ist Serbien dran. Und ein Franchisepartner startet im Frühjahr in Moskau den ersten Kika. Er plant insgesamt 14 Märkte in Russland.

Standard:
Haben die Russen nicht andere Wohngeschmäcker?

Koch: Das Sortiment ist zu 90 Prozent das gleiche wie bei uns. Abgesehen von Hochglanz-Möbeln oder Betten mit eingebautem Radio.

Standard: Kika ist auch in Riad vertreten. Wie hoch sind die kulturelleren Barrieren? Geben Sie mit Franchising nicht zu viel aus der Hand?

Koch: Nein. Wir wollen ja nicht als ein Großhändler agieren, alle Mitarbeiter werden etwa von uns geschult. Hürden in Saudi-Arabien? Beispielsweise der Zoll, er räumt jeden Container aus. Ein Affront ist es auch, den Kopf einer Frau auf einer Verpackung abzubilden.

Standard: Ihr Konzern ist als einer der wenigen in keinem Einkaufsverband organisiert. Verzichtet man da nicht auf große Kostenvorteile?

Koch: Wir sind allein groß genug und flexibler. Die Verbände haben uns weniger geholfen als gebremst.

Standard: Welche Rolle spielt China als Möbelproduzent?

Koch: Bei Vollholzmöbeln fehlt ihnen Erfahrung. Lieferzeiten sind ein Problem, und die Personalkosten steigen. Es wandert daher sogar im Accessoire-Bereich Produktion zurück nach Europa. Kerzen etwa werden wieder in Israel erzeugt.

Standard: Ihre Lieferanten in Österreich klagen über enormen Preisdruck, viele schreiben Verluste.

Koch: Viele kleine Produzenten verdienen herrlich in der Nische. Probleme haben jene, die versuchen, gegen die ganze Welt zu spielen. Und nicht selten klagen die, die im Sommer zwei Monate zusperren - weil es bei ihnen halt Tradition ist.

Standard: Einst galt, wer Kika beliefert, darf bei Lutz nicht rein und umgekehrt. Gibt es diese umstrittenen Exklusivverträge noch?

Koch: Es gibt Eigenmarken und Exklusivmodelle. Aber keiner in der Industrie kann es sich leisten, von einem Kunden abhängig zu sein.

Standard:
Ikea verlängert einmal mehr die Ladenöffnung. Warum agiert Ihr Konzern hier so restriktiv?

Koch:
Es ist ein Nullsummenspiel. Ikea hat keine ausgebildeten Mitarbeiter, wir haben Berater, das kostet Geld. Selbst im Osten gibt es eine Kehrtwende: Kroatien sperrt am Sonntag wieder zu. Auch in Ungarn, Tschechien und der Slowakei wird das Hauptgeschäft nach wie vor Freitag, Samstag gemacht.

Standard: Sie sitzen seit zwei Jahren im Chefsessel. Ihr Vater hat einmal gesagt, er wolle nicht den gleichen Fehler wie sein Schwiegervater machen und erst im hohen Alter die Fäden aus der Hand geben. Wie viel Handlungsfreiheit haben Sie?

Koch: Sehr viel. Mein Vater kümmert sich um Finanzierung und Expansion. Das nimmt mir viel Druck von den Schultern. In den Einkauf mischt er sich nicht ein. 2009 zieht er sich in den Aufsichtsrat zurück.

Standard: Verkaufsgerüchte sind seit längerem nicht mehr zu hören.

Koch: Kaufangebote sind ja eine Auszeichnung. Aber nein, ich sehe keine Notwendigkeit zu verkaufen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2008)

 

 

 

ZUR PERSON:Paul Koch (31) besuchte eine US-Schule in Wien, studierte Wirtschaft in Boston und übernimmt sukzessive die Führung im Familienkonzern Leiner/Kika.

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    Paul Koch tritt die Nachfolge im Möbelreich von Leiner und Kika an. Die Gruppe setzt mit 7000 Mitarbeitern mehr als 1,2 Milliarden Euro um. Die Konkurrenz ist hart

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