Premiere: 200.000 Schwarzseher sollen Kunden werden

7. August 2008, 18:04
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Sender vergrößerte seinen Verlust auf 38 (Vorjahr: 33) Mio. Euro - Am wichtigsten sei die Lösung des Piraterie-Problems

Der Abonnement-Fernsehsender Premiere will mit dem Kampf gegen Schwarzseher seinen Kundenschwund stoppen und 2009 wieder schwarze Zahlen schreiben. "Wir legen in diesem Jahr die Basis für Gewinne im nächsten Jahr", sagte Vorstandschef Michael Börnicke am Donnerstag. Mit einer großen Werbekampagne will der Sender neue Kunden locken und den Pro-Kopf-Umsatz mit der im Juli eingeführten Preisstruktur erhöhen.

Lösung des Piraterie-Problems

Am wichtigsten sei aber die Lösung des Piraterie-Problems. Denn Schwarzseher, die den Sicherungscode geknackt haben und kostenlos Premiere schauen, bremsen die Geschäftsentwicklung seit mehreren Quartalen. Die Sicherheitslücke sei bald geschlossen, sagte Börnicke. "Dann sitzen alle Piraten vor schwarzen Bildschirmen."

Bereits im laufenden Quartal würden die Zahl der direkten Abonnenten und der Pro-Kopf-Umsatz steigen, stellte Finanzchef Alexander Teschner in Aussicht. Im vierten Quartal sollen die Geschäfte richtig anspringen.

Wenig Anlass zur Freude

Die Zahlen des zweiten Quartals gaben noch wenig Anlass zur Freude: Zwar stieg der Umsatz 19 Prozent auf 272 Mio. Euro. Der Verlust vergrößerte sich aber auf 38 (Vorjahr: 33) Mio. Euro, was die Befürchtungen der Analysten noch überstieg. Überdies gingen dem Abosender, der zu 25 Prozent der News Corp von Medienmogul Rupert Murdoch gehört, Kunden verloren: Gegenüber dem ersten Quartal fiel die Abonnenten-Zahl um knapp 85.000 auf 4,16 Millionen.

Den Hauptgrund für den Rückgang sieht Börnicke in den vielen Schwarzsehern, deren Zahl er auf 1,5 Millionen schätzt. Premiere arbeite daher mit Hochdruck an der Einführung einer neuen Verschlüsselungstechnologie. Der Austausch von Zugangskarten bei den Kunden habe schon begonnen, Ende des dritten Quartals soll er abgeschlossen sein. Premiere hofft, dadurch mindestens 200.000 Nicht-Zahler zu Kunden zu machen.

"Wir wollen mehr Exklusivität und sind auch bereit, dafür mehr zu bezahlen"

Die Bundesliga ist neben Filmen und US-Serien ein Zugpferd für den Sender, der auch den DFB-Pokal und die Champions League überträgt. Premiere will die Bezahl-TV-Rechte an der Bundesliga erwerben, aber mehr Exklusivität durchsetzen - zum Beispiel durch einen späteren Sendetermin der "Sportschau" in der ARD, die derzeit samstags ab 18.30 Uhr über die Bundesliga berichten darf. "Wir wollen mehr Exklusivität und sind auch bereit, dafür mehr zu bezahlen", sagte Börnicke. (Reuters)

 

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