Neue Teilungszahlen für Fremdsprachen-Unterricht

7. August 2008, 16:14
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Im Vollausbau ab 2011 entstehen Mehrkosten von 61,8 Millionen Euro pro Jahr - Entsprechender Gesetzesentwurf ist in Begutachtung

Wien - Mit einer neuen Verordnung über die Eröffnungs- und Teilungszahlen von Schulklassen soll die Gruppengröße - vor allem im Fremdsprachenunterricht - an höheren Schulen verringert werden. Mit der neuen Regelung, deren Entwurf Unterrichtsministerin Claudia Schmied  nun in Begutachtung (bis 15.9.) geschickt hat, werden die Teilungszahlen an die neue auf 25 Schüler herabgesetzte Klassenschülerhöchstzahl angepasst. Von dieser Maßnahme, die im Vollausbau ab 2011 rund 61,8 Mio. Euro jährlich kosten wird, erwartet sich das Unterrichtsressort eine "Steigerung der Unterrichtsqualität sowie erhöhte Zielorientiertheit der Ausbildung".

Komplizierte Regelung

Mit den Teilungszahlen wird festgelegt, ab welcher Schülerzahl eine Klasse in bestimmten Gegenständen in kleinere Gruppen geteilt wird. Mit der im Mai beschlossenen gesetzlichen Senkung der Klassenschülerhöchstzahl von 25 (mit Überschreitungsmöglichkeit von 20 Prozent, was eine Maximalzahl von 30 Schülern pro Klasse bedeutet) in der AHS-Unterstufe waren die bisher geltenden Teilungszahlen nicht mehr kompatibel. Bisher wurde im Fremdsprachen- (lebend) ab 30 Schülern pro Klasse geteilt, in Bildnerische Erziehung ab 31 und in Latein ab 32 Schülern.

Die neue Regelung ist wesentlich komplizierter, künftig kann auch klassenübergreifend geteilt werden. Für den Unterricht in einer lebenden Fremdsprache der AHS-Unterstufe bedeutet das, dass Klassen mit 30 Schülern weiterhin jeweils in zwei Gruppen mit je 15 Schülern aufgeteilt werden. Bei Klassen mit weniger Schülern wird dann klassenübergreifend geteilt, und zwar bei zwei Klassen mit mehr als 48 Schülern in drei Gruppen, bei drei Klassen mit mehr als 72 Schülern in fünf Gruppen, bei vier Klassen mit mehr als 96 Kindern in sechs Gruppen, usw. Gegenüber der bisherigen Regelung steigt damit laut Verordnungsentwurf die Zahl der Gruppen in den ersten Klassen der AHS-Unterstufe um 460 auf 1.770, die durchschnittliche Gruppengröße sinke in dieser Schulstufe von rund 23 auf rund 17 Schüler.

Klassenübergreifende Teilung

In Latein wird bei einer Klasse mit mehr als 29 Schülern in zwei Gruppen geteilt. Gibt es weitere Klassen an der Schule, wird wieder übergreifend geteilt, und zwar bei zwei Klassen mit mehr als 52 Schülern in drei Gruppen, bei drei Klassen mit mehr als 78 Schülern in fünf Gruppen, bei vier Klassen mit mehr als 104 Schülern in sechs Gruppen, usw. Im Entwurf werden keine Angaben gemacht, wie sich das auf die durchschnittliche Gruppengröße und die Zahl der Gruppen auswirkt. In Bildnerischer Erziehung wird nur geteilt, wenn eine Klasse 30 Schüler hat, klassenübergreifend wird nicht geteilt.

Kleinere Gruppen auch in Mathematik und Deutsch

Neue Regelungen gibt es auch für die 9. Schulstufe (für diese gilt die neue gesetzliche Regelung der geringeren Klassenschülerzahl nicht, Anm.), allerdings nicht für die 5. Klasse der AHS-Langform, sondern nur für die ersten Klassen der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), Oberstufenrealgymnasien (ORG) und Höheren Anstalten der Lehrer- und Erzieherbildung. An diesen Schulen wird in Mathematik sowie einem von den einzelnen Schulen autonom festzulegenden Pflichtgegenstand ab 31 Schülern pro Klasse geteilt (nicht klassenübergreifend). Auch in Deutsch wird auf der 9. Schulstufe ab 31 Schülern in zwei Gruppen geteilt, wobei dies auch für die Langform der AHS gilt.

Durch diese Maßnahmen sind für die Schulen mehr Lehrer notwendig, gerechnet wird dabei vom Ministerium mit sogenannten Werteinheiten. Die Kosten dafür steigen von 12,5 Mio. Euro in 2008 (Kalenderjahr) auf 61,8 im Vollausbau im Jahr 2011.

Ein inhaltlich weitgehend identer Erlass Schmieds über die Teilungszahlen aus dem Vorjahr, in Folge der damals noch nicht gesetzlich fixierten geringeren Klassenschülerhöchstzahl, hatte Proteste von Lehrer-Gewerkschaft, Grünen und ÖVP hervorgerufen. Die Kritiker argumentierten, dass durch die klassenübergreifende Gruppenbildung auch größere Fremdsprachenklassen als bisher möglich seien. (APA)

 

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