Freenet mit Gewinneinbruch

7. August 2008, 15:45
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Wegen hoher Kosten zur Kundengewinnung ist der Gewinn des deutschen Mobilfunk- und Internetdienstleisters Freenet im ersten Halbjahr eingebrochen

Hannover - Wegen hoher Kosten zur Kundengewinnung ist der Gewinn des deutschen Mobilfunk- und Internetdienstleisters Freenet im ersten Halbjahr eingebrochen. Vor der wegweisenden Hauptversammlung am Freitag erhalten die Kritiker von Freenet-Chef Eckard Spoerr damit Rückwind.

Der Nettogewinn fiel von Jänner bis Juni um drei Viertel auf 22,5 Mio. Euro, wie Freenet am Donnerstag mitteilte. Auf ein Gewinnziel für 2008 will sich Spoerr vorerst nicht festlegen. "Eine Prognose für das Gesamtjahr ist seriös nicht zu erstellen", sagte er. Das liege an der Übernahme des Konkurrenten Debitel sowie an dem geplanten Verkauf des DSL-Geschäfts. "In diesem Jahr werden wir noch erhebliche Einmalaufwendungen durch den Zusammenschluss haben."

Freenet sieht sich Märkten ausgesetzt, die von einem ständigen Preisverfall geprägt sind. "Die Gesellschaft rechnet in nächster Zeit nicht mit einer Verlangsamung oder einer Umkehr dieses Trends", hatte Freenet kürzlich erklärt. Im Halbjahr verdiente die Firma vor Zinsen und Steuern mit 35,4 Mio. Euro zwei Drittel weniger als vor Jahresfrist. Der Umsatz schrumpfte um fünf Prozent auf 877 Mio. Euro, die Kundenzahl um acht Prozent auf elf Millionen.

Debitelübernahme soll für Aufschwung sorgen

Für Wachstum bei Umsatz und Gewinn soll die kürzlich erfolgte Debitel-Übernahme sorgen. Die jährlichen Einsparungen addierten sich voraussichtlich schon kommendes Jahr auf 125 Mio. Euro, bekräftigte Spoerr. Mit Debitel legt Freenet den Schwerpunkt auf den Mobilfunk, während das Geschäft mit dem schnellen Internet (DSL) abgestoßen werden soll. "Wir sind in der zweiten Phase des Verkaufsprozesses", sagte Spoerr. Mitte September bis Mitte Oktober werde er wohl abgeschlossen sein.

Der Debitel-Kauf wird auf der Hauptversammlung wohl das bestimmende Thema sein. Freenet hatte den Mobilfunkdienstleister gegen den Willen der beiden Aktionäre Drillisch und United Internet übernommen. Damit durchkreuzte Spoerr deren Plan, Freenet unter sich aufzuteilen - United Internet ist an dem DSL-Geschäft des norddeutschen Unternehmens interessiert, der Mobilfunkdienstleister Drillisch am Mobilfunkgeschäft. Der frühere Debitel-Eigentümer Permira wurde im Zuge der Übernahme neuer Freenet-Großaktionär. Der Finanzinvestor hält knapp 25 Prozent.

Spoerr hofft auf breite Zustimmung für seine Strategie. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Mehrheit haben werden", sagte er. Sollte diese knapp ausfallen, sehe er sich dadurch aber nicht geschwächt. "Mehrheit ist Mehrheit", sagte Spoerr. "Nach der HV soll Ruhe einkehren, dann bekommen wir die Möglichkeit, unsere Ziele konsequent umzusetzen, wozu gehört, dass sich das Verhältnis zu United Internet und Drillisch normalisiert." (APA/Reuters)

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