Deutscher Export trotzt der Konjunkturabkühlung

7. August 2008, 15:10
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Positives erstes Halbjahr - Billion-Marke auf Jahressicht erreichbar - Analysten für Zukunft jedoch skeptisch (von Stephan Köhnlein, AP)

Frankfurt (AP) - Trotz Finanzmarktkrise, Konjunkturabkühlung und Euro-Höhenflug läuft der deutsche Export weiter rund. Das Wachstum im ersten Halbjahr 2008 belief sich gemessen am Vorjahreszeitraum auf 6,9 Prozent, wie der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) am Donnerstag mit Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes erklärte. Der Export habe sich in einem schwierigen Umfeld als robust erwiesen, sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Das Volumen der Ausfuhren in den ersten sechs Monaten des Jahres betrug laut Bundesamt 511,2 Mrd. Euro; im Vorjahreszeitraum hatte es bei 478,4 Mrd. Euro gelegen. Im Juni 2008 stiegen die Exporte binnen Jahresfrist um 7,9 Prozent auf 88,3 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Vormonat gab es nach dem Rückgang vom Mai ein Plus von 4,2 Prozent.

Sollte sich die Entwicklung im zweiten Quartal so fortsetzen, würden die deutschen Exporte in diesem Jahr erstmals die Rekordmarke von einer Billion Euro erreichen. Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ergab, dass die Auslandshandelskammern vom Erreichen dieser Marke ausgehen. Klar ist auch, dass Deutschland zumindest 2008 Exportweltmeister bleiben wird.

"Die erfreuliche Entwicklung belegt auf ein Neues, dass die deutsche Wirtschaft international gut aufgestellt ist", sagte Börner. Dennoch hinterlasse das Abkühlen der Weltwirtschaft Spuren in den Auftragsbüchern. "Daher muss alles getan, um auch zukünftige Erfolge im Außenhandel zu sichern", sagte der BGA-Präsident.

Auch Analysten warnten vor übertriebenem Optimismus. Die Experten der Commerzbank erklärten, angesichts der sinkenden Bestellungen aus dem Ausland dürfte der Export in den nächsten Monaten kaum noch wachsen.

Obwohl der Anstieg im Juni im Vergleich zum Vormonat der höchste in knapp zwei Jahren gewesen sei, gebe es keinen Grund zu feiern, hieß es auch von den Experten der UniCredit. Sie verwiesen unter anderem auf die sinkenden Importe. Dies bedeute, dass die Nachfrage bei Unternehmen und die Verbraucherausgaben weiter zurückgingen.

Im Juni 2008 wurden laut Bundesamt Waren im Wert von 68,6 Mrd. Euro eingeführt, damit nahmen die Einfuhren gegenüber Mai um 0,1 Prozent ab.

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union wurden im Juni Waren im Wert von 56,5 Mrd. Euro versandt und Waren im Wert von 45,5 Mrd. Euro von dort bezogen. Gegenüber Juni 2007 stiegen die Versendungen um 5,9 Prozent und die Importe um 3,8 Prozent.

In die Länder der Eurozone wurden im Juni 2008 Produkte im Wert von 37,2 Mrd. Euro (plus 4,7 Prozent) geliefert und Waren im Wert von 31,3 Mrd. Euro (plus 2,4 Prozent) von dort bezogen.

In die Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittländer) wurden im Juni 2008 stiegen die Exporte um 11,7 Prozent auf 31,8 Mrd. Euro. Die Importe legten um 8,6 Prozent auf 23,1 Mrd. Euro zu.

Die Außenhandelsbilanz schloss im Juni 2008 mit einem Überschuss von 19,7 Mrd. Euro ab. Im Juni 2007 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 16,7 Mrd. Euro betragen.

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