Wiener City mit neuem Pflaster

7. August 2008, 20:15
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Die Prototypen des neuen Pflasters und Stadtmobiliars stehen, allerdings am Stadtrand - Streit um moderne Leuchten ist beigelegt

Wien - Tausende Menschen, die täglich über die Wiener Kärntner Straße, den Graben und den Stephansplatz trampeln, hinterlassen ihre Spuren. Die Bodenplatten sind kaputt, Pflastersteine haben sich aus dem Belag herausgelöst. Die Lücken sind mit Asphalt gefüllt - weit davon entfernt, ein schöner Anblick zu sein, und eine Gefahr für Stöckelschuhträger obendrein.

Seit 8. Juli sind Kärntner Straße und Graben offen: Das Gas- und das Stromnetz werden saniert. Gleichzeitig soll die Innenstadt, in den 70ern zuletzt umgestaltet, eine Rundum-Erneuerung erfahren.

In der Fußgängerzone werden Granitplatten in vier verschiedenen Grautönen verlegt. Am Donnerstag präsentierten Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) und Architekt Clemens Kirsch die Prototypen des neuen Straßenbelags, der Beleuchtung und der neuen - weil Rücken an Rücken - kommunikationsfördernden Sitzbänke. Am Stadtrand von Wien, auf einem Lagerplatz in Auhof, wurde ein Eins-zu-Eins-Modell aufgebaut.

Das neue Pflaster mit geringerem Fugenanteil ist nicht nur Stöckelschuh-tauglich, sondern hält mit seinen 14 Zentimetern Dicke auch so manchen Lastwagen aus. Die jetzigen Platten und Steine sind fünf Zentimeter dick.

Um die Leuchten hatte es zuletzt Streit gegeben. Zunächst war es Ursula Stenzel (VP), Bezirksvorsteherin des ersten Bezirks, die sich Kandelaber statt der schlanken Leuchten (Bild links) gewünscht hatte. Die Kaufleute der Kärntner Straße und des Grabens hatten sich ebenfalls altmodische Beleuchtung gewünscht. Sie hatten befürchtet, dass durch den ursprünglich massiven Sockel die Sicht auf die Geschäfte versperrt werden könnte. Erst zu weit oben hätte sich der Sockel geteilt, protestierten die Shop-Besitzer. Schicker sowie die MA 33 (Licht) wollten aber nichts von Kandelabern wissen. Am Donnerstag zeigten sich beide Seiten kompromissbereit. Die Änderung: Die Teilung des Sockels wird schon im unteren Bereich vorgenommen. Friedrich Jonak, Sprecher der Graben-Kaufleute, "kann mit der Lösung leben" , Kandelaber wären ihm aber dennoch lieber, sagt er.

Teures Pflaster

Der Vorteil der neuen Leuchten: Sie verbrauchen um 40 Prozent weniger Strom. Außerdem soll eine Gravur auf dem Sockel dafür sorgen, dass Pickerl und Plakate leichter entfernt werden können. Sollte das wider Erwarten doch keinen Unterschied machen, werde man auf die Gravur verzichten und Kosten sparen, sagt Schicker. Das mache man ohnedies mit der Umgestaltung, da die Erhaltung der derzeitigen Fußgängerzone jährlich 200.000 Euro verschlungen habe.
Billig ist die Umgestaltung allerdings auch nicht: 18,6 Millionen Euro soll sie kosten. Der Finanzierungsschlüssel zwischen Rathaus und City, 80 zu 20, wurde vom Bezirk abgelehnt. In den kommenden Tagen will man sich aber einigen. Die Sanierung soll Ende 2009 abgeschlossen sein. Dann sollen auch Schanigärten und Kioske symmetrisch angeordnet werden. Nach dem Graben und der Kärntner Straße soll der Stephansplatz erneuert werden. Wann, ist noch offen. (Marijana Miljković, DER STANDARD - Printausgabe, 8. August 2008)

 

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    Der Graben (im Bild) und die Kärntner Straße werden neu gepflastert. Die Schanigärten und die Kioske werden bis zur Fertigstellung 2009 auch symmetrisch angeordnet.

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    Die Lampen sind ein Kompromiss mit den Geschäftsleuten.

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