Das deutsche Kabarett und der Islam

7. August 2008, 14:26
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"Erfahrungen mit dem Karikaturenstreit extrem": Bruno Jonas will Konflikten aus dem Weg gehen - und lässt Selbstkritik anklingen


Hamburg - Der 55-jährige Passauer Kabarettist Bruno Jonas will laut einem Gespräch mit der "Zeit" jeden Konflikt mit Muslimen vermeiden und macht deswegen keine Witze über den Islam: "Ich finde die Erfahrungen mit dem Karikaturenstreit so extrem, dass ich mich hüten werde, auf der Bühne das Falsche zu sagen."

Schon der innermuslimische Streit, wer bei der Islamkonferenz des Innenministers dabei sein dürfe, habe ihn zutiefst irritiert: "Wie werden diese Leute damit umgehen, wenn wir auf der Bühne den einen oder anderen Witz über ihre Glaubensinhalte machen?"

Seine persönliche Konsequenz sei es, dem Thema aus dem Weg zu gehen: "Henryk M. Broder hat uns allen sehr polemisch vorgehalten, dass wir vor den islamischen Fundamentalisten in die Knie gehen. Er hat recht, es ist so. Und das betrifft uns alle."

Das Verhalten seines Publikums habe sich verändert, es reagiere heute gelassen bis gleichgültig auf das politische Kabarett: "Das war nicht immer so. Als ich Mitte der 70er Jahre in Passau angefangen habe, hatten wir das Glück, dass wir anonym angezeigt wurden wegen Religionsbeschimpfung. Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt. [...] Heute regt sich kaum mehr einer auf, wenn im Kabarett über einen Politiker hergezogen wird. Ein Politiker schon gar nicht."

Der Kabarettist fügte hinzu: "Das Volk hat selbstverständlich auch dazu gelernt. Es werden nur noch komische Politiker gewählt. Erwin Huber, Kurt Beck, Angela Merkel, Guido Westerwelle - sie haben alle eine gewisse Komik." (APA/AP)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bruno Jonas, hier 2005 als Fastenprediger 'Bruder Barnabass'

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